Klaviermusik als Wunschkonzert: Mi, Do, Fr. diese Woche in Berlin

Die Konventionen sind nach wie vor da: wer klassische Musik hören will, zieht sich ordentlich an, sitzt zivilisiert und konzentriert vor den Musiker/innen, um sehr, sehr, sehr still nur eins zu tun: Lauschen.

Ich halte diese Konventionen für sinnvoll. Klassische Musik bewegt sich – gerade wenn sie jüngeren Datums ist – oft auf der Hörschwelle. Und auch die Pausen sind Teil der Musik, auch wenn sie von verwegenen Damen und Herren immer wieder gerne zum Husten und Bonbonauswickeln genutzt werden. Es lohnt sich also (nein, es ist sogar unabdingbar), die Stille mitzuhören.

Dennoch geht es auch anders. Vor allem in kleineren Formaten: Nein, Stille ist auch hier nicht verhandelbar. Aber es gibt Möglichkeiten Publikum und Musiker/innen weniger als zwei Blöcke zu begreifen, die voreinander hocken. Sondern als musizierende Einheit (denn: wo keine Ohren, da am Ende auch keine Musik). Kurz: Der Pianist Tomas Bächli hat sich für diesen Sommer eine kleine Reihe ausgedacht, in der die Besucher/innen das Sagen haben, und sich das oder die Stücke, die gespielt werden, aussuchen können. In der „nur“ eine Stunde musiziert wird, von 21:00 – 22:00 und nach der es etwas zu trinken und zu knabbern gibt, um die gemeinsam gehörte Musik im Nachgang noch zu besprechen – oder um sich einfach nur miteinander zu unterhalten. Letzte Woche gab es die ersten Abende. Ab heute gibt es bis Freitag (10.07., 11.07., 12.07.) drei Termine. Leider ist dafür die Wunschfrist von drei Tagen schon abgelaufen. Aber hier sind die Stücke, von denen das eine oder andere vermutlich zur Aufführung kommt:

  • Wolfgang Amadeus Mozart: Sonate in B KV 570
  • Joseph Haydn: Capriccio „Acht Sauschneider“
  • Martin Wehrli: Bagatelle
  • Beethoven: Bagatellen op.119
  • J. S. Bach: Suite in Es BWV 817b
  • Leopold Spinner: Sonatine op 22
  • Roland Moser: Kleine Passion (nach dem Gedicht von Gottfried Keller, gespielt und gesprochen am Klavier)
  • Frédéric Chopin: Deux Nocturnes op. 62
  • Erik Satie: Nocturnes

Nächste Woche wird die Reihe fortgesetzt. Ebenfalls am Mittwoch (17.07.), Donnerstag (18.07.) und Freitag (19.07.). Die Telefonnummer fürs Wünschen ist die 0160 9440 1245.

Wer Lust und Zeit hat: Kommt vorbei! Hier ist noch die Adresse:

Hörsaal Boxhagenerstrasse
Boxhagenerstrasse 16, 3. Hinterhof
21 Uhr
Freiwilliger Eintritt (Empfehlung: 10 Euro)

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

    • Stephanie Jaeckel 14. Juli 2019

      Ja, jetzt war ich auch da, und kann berichten: es gab – beide von mir gewünscht: die Bagatellen von Beethoven und die Suite von Bach. Tolle Stücke, bei Beethoven gibt es eins, das so kurz ist und so experimentell, dass es fast klingt wie ein kleines wildes Stück von Erik Satie. Dann gab es noch ein Stück von Ruth Crawford-Seeger, das mich vom Hocker gehauen hat, eine Mazurka von Chopin, die so gar nicht nach Chopin klingt (und unglaublich modern/expressiv) und eben den Mückentod von Roland Moser: Wow, wow, wow!!! Es zeigt sich, dass Komponist/innen in kleinen Stücken oft sehr viel experimenteller waren, ganz schön cool!

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