Alltag light: Samstag

Wenn Freitag Abend die Tür zum Wochenende ist, dann ist der Samstag so etwas wie sein Foyer. Länger Schlafen ist oft drin, Zeitung lesen oder Radio hören beim Frühstück, mit den Zehen wackeln. Vor allem: kein Anruf von Auftraggeber/innen oder Kund/innen, wer Lust hat, verlängert den Einkaufszettel um eine paar leckere Details, geht außer der Reihe ins Schwimmbad oder gleich noch einmal zurück ins Bett.

Am Samstag Morgen hole ich Luft. Gucke in den Himmel. Und fühle vorsichtig nach, wie es mir geht. Gerade letzteres lasse ich gerne wochentags mal weg – nicht, dass es mich nicht interessiert, aber es könnte ablenken, und in der Woche ist Zeit meistens knapp. Natürlich bin ich montags oder dienstags keine seelenlose Arbeitsroboterin. Aber ein oberflächlicher Check kann morgens reichen. Der Feierabend kommt schließlich immer.

Am Samstag rekapituliere ich die Woche. Was ist vom Tisch, was muss noch dringend erledigt werden? Oft geht es auch darum, bei wem ich möglicherweise um Hilfe für etwas fragen kann – oder auch, welche Verpflichtungen ich eingegangen bin, und ob ich schon alles davon gemacht habe. Und dann lacht der Haushalt. Denn er weiß, dass er samstags ausgiebig gekrault wird. Die Waschmaschine ist in freudiger Erwartung, der Putzlappen zittert vor Tatendrang, die Töpfe vibrieren und das Bügeleisen fällt vor Begeisterung meist gleich aus dem Schrank, wenn ich die Türe öffne. Wer könnte so viel Enthusiasmus enttäuschen? Und es stimmt tatsächlich auch immer wieder: Sobald ich putze, aufräume, bügele, kommen mir Ideen. Nicht unbedingt die besten, aber solche, die tief reichen, und manchmal sehr verschlungene Wege gehen, bevor sie an die Oberfläche stossen.

Geschenkt, Samstag und Sonntag können auch mal den Platz tauschen. Oder es gibt Wochenenden mit zwei Sonntagen. Auch schon mal welche mit dreien. Aber meist ist der Samstag ein Tag im ruhigeren Gang. Den ich sehr genieße. Er ist meine Reserve, meinetwegen auch so etwas wie ein persönliches Reservat. Ein Hoch also auf den Samstag, den gnädigsten unter den Alltagen.

Mit einem herzlichen Wink an Ulli, die Sammlerin von Alltagsgeschichten: https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/06/29/pausenzeichen-und-alltag-9/ Hier als Link.

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. Ulli 7. Juli 2019

    Vibrierende Töpfe, zitternde Putzlappen, ein fallendes Bügeleisen und eine erwartungsvolle Waschmaschine, ich danke dir für diesen humorvollen Beitrag zum Projekt, der mich noch immer lächeln lässt!
    Ich habe leider nie so getaktete Wochen gehabt, da ich immer total unrhythmisch gearbeitet habe und oft eben an den Wochenenden, was sich erst seit diesem Jahr geändert hat, nun schaue ich mal, wie mein Alltag sich auf Dauer gestalten wird, ohne dass ich zu einem Brotjob das Haus verlassen muss.
    Herzlichen Dank und liebe Grüsse
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • Stephanie Jaeckel 7. Juli 2019

      😉 nein, die Woche ist weniger getaktet, als es hier scheint. Ich arbeite auch am Wochenende und immer wieder auch von zu Hause aus, aber die Telefonanrufe bleiben am Wochenende aus. Dir einmal mehr herzlichen Dank für dieses unverwüstliche Thema. Ich merke, dass mir tatsächlich immer wieder ein neuer Aspekt einfällt. Und natürlich lese ich auch gerne bei allen anderen, die mitmachen.

      Gefällt 1 Person

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