Umgang unter Kolleg/innen

Nicht, dass es neu wäre: Als Texterin komme ich oft spät in ein Projekt und muss in Null Komma Nichts möglichst gut verständlich schreiben, worüber sich Mitarbeiter/innen über Monate den Kopf zerbrochen haben. Oder ich bin aufgefordert, deren Texte zu lektorieren. Das birgt Konflikte.

Denn: Natürlich habe ich keine Ahnung – oder weit weniger als die Leute, für die ich arbeite. Aber das bedeutet ja umgekehrt nicht, dass ich ein Vollpfosten bin. So werde ich aber leider oft – oder sagen wir: immer öfter – behandelt. 

Die Sache lag schon mal besser. Nach einer langen Eingewöhnungsphase hatten Museumsmitarbeiter/innen den Wert von Audioguides durchaus schätzen gelernt. Auch dass Lektorieren was bringt, wenn Fachartikel in einem Katalog einem – wie es immer so schön heißt „breiten“ – Publikum vorgelegt werden. Ich wurde als lästig, aber durchaus hilfreich eingeschätzt und weitgehend so behandelt (mit durchaus erfreulichen Ausnahmen).

Mittlerweile hat sich hier ein gewisser Konkurrenzdruck eingeschlichen. Als wäre ich darauf aus, mir unbekannten Menschen Fehler nachzuweisen, werde ich mit einer Unfreundlichkeit konfrontiert, die fast immer mit einer Infragestellung meiner Fähigkeiten einhergeht. Und ich frage mich: Was ist denn hier los? Meine Anmerkungen werden zerpflückt und in langatmigen Kommentaren für nichtig erklärt, wo eine kurze Erläuterung, wie sich die Autor/innen die geänderte Stelle wünschen, reichen würde. Es ist dabei ja nicht nur unverschämt, mich wie eine Schülerin zurechtzuweisen, die den Stoff nicht verstanden hat. Sondern insgesamt anmaßend, schließlich gibt es in vielen Angelegenheiten auch verschiedene, manchmal sogar gegensätzliche Fachmeinungen. 

Wie eingangs geschrieben: nicht, dass es neu wäre. Und als Freiberuflerin, die in feste Arbeitsteams reinschneit, um auch noch „Verbesserungen“ vorzunehmen, ist wahrscheinlich ein Teil dieses Umgangs gar nicht anders möglich. Ich habe durchaus ein dichtgewachsenes Fell, das ich abends ausschütteln kann. Aber eben: die Angriffe werden schärfer. Was ist da los? Möchte ich nochmal fragen. Und daran appellieren, dass Zusammenarbeit immer besser funktioniert, wenn wir auch zusammen – und nicht gegeneinander – arbeiten. Wir reden viel über Stress, über zu hohe Belastungen bei der Arbeit, von Überstunden und Überforderung. Hier kann man schön sehen, wie viel davon selbstgemacht ist. Keine Frage: Es gibt – gerade in meiner Branche – eine krasse Unterbezahlung. Aber es gibt auch viel, was in die Arbeit mitgebracht wird, und dort wirklich nix zu suchen hat. 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 9

  1. wechselweib 12. Dezember 2018

    Ich kann dir hier nur zustimmen! In Diagnose und Forderung. (Dabei geht es in meinem Job nur um Aufstieg und gar nicht um die nackte Existenz.) Wie viele Reibungsverluste würden gar nicht entstehen, wenn sich Kollegen nicht von anderen bedroht fühlen würden und wie viel entspannter und produktiver ist doch die Arbeit in einem entspannten und wertschätzendem Team! 🌈

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    • Stephanie Jaeckel 12. Dezember 2018

      Ja, komischerweise verlieren wir zur Zeit diesen Aspekt aus den Augen. Wobei ich denke, dass die Konkurrenz innerhalb eines Teams durchaus real ist. Es gibt immer Ungerechtigkeiten. Andererseits merke ich in eigenen Team-Situationen – und nicht zuletzt im Großraumbüro, was für sich ja auch eine Art Arbeitsteam ist – dass Langmut und Geduld gar nicht so nachteilig sind, wie vielleicht angenommen. Die Angst besteht ja oft darin, dass man untergebuttert wird, wenn man sich nicht sofort wehrt. Meine Erfahrung besteht eher im Gegenteil darin, dass man sich eine bessere, weil souveränere Situation verschafft, vermeintliche Angriffe erst mal hinzunehmen, zu gucken, ob es darin nicht auch Vorteile gibt, und dann mit gut überlegten Alternativen Gegenvorschläge macht.

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  2. Ulli 12. Dezember 2018

    Konkurrenzdenken und damit verbundene Anfeindungen kenne ich leider auch, besonders in den letzten drei Monaten, ich kann da nur staunen, aber es verletzt mich auch. Leiderbringen auch klärende Gespräche nicht wirklich weiter, so siehst du mich etwas ratlos hier sitzen. Für mich ist Teamgeist kein leeres Wort, für manche schon.

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  3. lreisen 27. Januar 2019

    Leider kommt dieses thema immer öfters ins gespräch.. hat natürlich auch seine Berechtigung! Doch eines möchte ich an dieser stelle kurz anmerken und partei für die „korrogierten“ übernehmen. Als freiberufliche texterin ist mir solch eine Situation natürlich auch schon passiert, doch habe ich dies bei letzterer zum thema gemacht. Erfahren habe ich eine völlig andere sicht der dinge: sie seien nicht etwa böse auf die texterin oder den texter. Ganz im Gegenteil. Natürlich soll das projekt am besten bedient werden, doch die meisten angestellten sind hier sauer auf die obrigkeit. Ihre eigenen kompetenzen sehen sie in frage gestellt und somit ist auch die angst dabei, den job zu verlieren weil vlt die oder der texter besser geeignet wäre. Bitte versetzt euch auch mal in diese lage. Ihr werdet geholt um die arbeit der eigentlich angestellten zu verbessern. Dies kratzt am ego und in der heutigen Zeit, in welcher jobs immer schnelllebiger werden, fördert dies auch die existenzängste.
    Vielleicht konnte ich euch damit ein wenig beschwichtigen und das nächste mal wenn euch jemand ungerechtfertigt behandelt könnt ihr dies einfach weglächeln. Denkt daran euch ist niemand böse. Wir machen einen guten job, doch sind wir quasi ein fremdkörper. Aber ich bin mir sicher wenn wir gemeinsam dies auf unseren blogs vermehrt thematisieren, wird dieser fakt auch bald besser! Ganz liebe grüße

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    • Stephanie Jaeckel 27. Januar 2019

      Ja. Aber mir ging es in diesem Artikel um meine Seite, und darum, dass der Ton in den letzten – sagen wir zwei Jahren – immer rauher geworden ist. Kein/e Museumsmitarbeiter/in muss fürchten, wegen des Verfasserns unschöner oder ungeschickter Texte den Job zu verlieren. Das sind Wissenschaftler/innen, die nicht als Texter/innen dort angestellt wurden. Ich kann deren Ärger durchaus verstehen, aber nicht die ungehemmte Unverschämtheit, mit der dieser Ärger immer öfter vermittelt wird. Es geht mir um den Respekt, den ich als Freiberuflerin verdiene. Noch einmal: Stress entsteht durch Stress. Man kann es doch hin und wieder einfach mal lassen…

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