Die Bohne meines Opas

Nein. Die ist aus einem Supermarkt-Tütchen. Aber an einem Abend habe ich meinem Vater am Telefon von meinen drei kleinen Bohnen-Pflänzchen im Blumentopf erzählt. Die jetzt im Hof wachsen. Ach, wachsen ist gar kein Ausdruck: Die schießen im Affenzahn in den Himmel. Wenn ich abends aus dem Büro komme, sind die sichtbar größer. Sowas habe ich selten erlebt (also, bei uns im Hof).

Die Bohnen sind gelb. Eine Sorte, die bei vielen nicht bekannt ist. Wachsbohnen heißen sie auch, sie sind weicher als ihre grünen Brüder und Schwestern. Sie sind das perfekte Gemüse für einen Sommersalat. Ich kenne sie aus meiner Kindheit.

Ja, sagte mein Vater. Dein Opa war ein Bohnenzüchter. Er liebte gelbe Bohnen sehr und hat in seinem Schrebergarten mit ihnen experimentiert. Der Schrebergarten war ziemlich groß. Mein Opa hat ihn sich, seit ich mich erinnern kann, mit meinem Vater geteilt. Kein Schnickschnack, auf beiden Seiten des kleinen Wegelchen: Kartoffeln, gelbe und grüne Bohnen, Möhren, Schwarzwurzeln, Erbsen, dicke Bohnen, Zwiebeln, Kohlrabi, dann saisonale Experimente mit Salat oder Kohl, Pflaumen, Pfirsiche, Erdbeeren, schwarze Johannisbeeren, Walnüsse.

Die Experimente meines Großvaters sind verloren gegangen. Irgendwann war die Pacht des Gartens abgelaufen und wurde nicht verlängert. Heute ist dort eine Neubausiedlung.

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. Achim Spengler 16. Juli 2018

    Wachsbohnen, da kommen Kindheitserinnerungen auf. Es gab bei uns auch Brechbohnen, Saubohnen etc. Bohnengemüse, Bohnensalat. Tante und Onkel, Mutter und Vater, Großmutter und Großvater um einen großen Tisch herum. Sie schälten Bohnen, was sonst. Sie kamen mit aus den Ohren, gefühlt, irgendwann ….

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  2. papiertänzerin 17. Juli 2018

    Ich kenne Wachsbohnen auch aus dem Garten meiner Großeltern. Und Johannisbeeren. Daran erinnere ich mich gerade, weil die Sträucher in unserem Garten auf dem Land so voll sind, dass die Zweige auf dem Boden liegen. Hab schon Marmelade gekocht, Kuchen gebacken & eingefroren. Das kleine Haus meiner Großeltern mit Blick auf den Rhein ist auch einem Neubau gewichen. Ich war seitdem nicht mehr dort.

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