Aus dem Gleichgewicht

In letzter Zeit – gerade auch nach (oder eigentlich noch während) der #metoo-Debatte – wird mir klar, wie oft ich mich Männern untergeordnet habe oder es als selbstverständlich empfand, Befehle zu empfangen, beziehungsweise Erwartungen zu erfüllen. Ich spreche hier nicht unbedingt von Sexualität. Ganz allgemein habe ich Männer als „Entscheider“ akzeptiert und meine eigenen Entscheidungen hintangestellt oder angepasst. Es erstaunt mich bis zur Enttäuschung. Andererseits spüre ich, wie viel Ärger in mir gerade aus dieser Selbstverständlichkeit erwächst. Ich muss mich ändern. Und es hat keinen Zweck, Männer dafür (allein) verantwortlich zu machen. Ein neuer Vorsatz fürs neue Jahr?

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 8

    • Stephanie Jaeckel 14. Dezember 2017

      Die Frage trifft es nicht ganz genau, weil es diesen Automatismus gab: Ist ein Mann in Raum, ist er – quasi ungefragt – der Entscheider. An der Stelle hat es gehapert. War eine Frau dezidiert die Chefin, war das natürlich anders – und für mich auch völlig klar. Der Punkt ist, wenn ich mit einem Jungen, später mit einem Mann alleine war, habe ich die Entscheiderinnen-Rolle erst gar nicht angestrebt. Aber natürlich trotzdem versucht – von unten sozusagen – meine Wünsche durchzudrücken. Das war anstrengend und nicht besonders konstruktiv. Gerade jetzt, wo ich erst letzte Woche zu Hause war, habe ich wieder klar vor Augen gehabt, wie ich mit einem „Bestimmer-Vater“ dazu gekommen bin – keine schöne Erinnerung.

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  1. ballblog 15. Dezember 2017

    Mich freut vor allem, daß Du zu einer ausgewogenen Ansicht gekommen bist, daß nicht allein die Männer dafür verantwortlich sind.
    Mir fällt mit den Jahren immer mehr auf (und es stört mich auch ein wenig), daß in kritischen Situationen im Job gerade Frauen gerne hinter mir „verstecken“. Daß ich dann Dinge ansprechen soll oder es heißt dann „X findet aber auch“. Wo ich dann denke „nehmt es doch selbst in die Hand“.

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    • Stephanie Jaeckel 15. Dezember 2017

      Genau. Vielleicht verstehst Du umgekehrt, dass das kein „Verstecken“ ist, sondern eine Art unguter „Gehorsam“. Zumindest gilt das für meine Generation (ich bin in den 1960er Jahren geboren). Für jüngere Frauen kann und will ich nicht sprechen. Umgekehrt ist es als Frau unendlich schwer, sich Gehör zu verschaffen. Da weichen die alten Fronten erst sehr langsam auf.

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      • ballblog 15. Dezember 2017

        Sollte es „Gehorsam“ sein, dann fände ich das aus dem Bauch heraus gleich noch krasser. Ich habe das schon mit Kolleginnen erlebt zwischen 65er und 80er Jahrgang, schiebe das eher auf mein Älterwerden, denn früher ist mir sowas nicht vorgekommen.
        Und der Clou ist: es ist völlig wurscht, ob es für die Frauen darum gilt, sich gegenüber einem Mann oder einer Frau Gehör zu verschaffen. Ist doch strange….

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        • Stephanie Jaeckel 15. Dezember 2017

          Nö. Strange ist das gar nicht. Es ist leider völlig unsichtbar, weil so wahnsinnig selbstverständlich. Frauen (aus meiner Generation, etc.) akzeptieren dieses Prinzip ja auch. Deshalb funktioniert es durchgängig. Ansonsten, es ist nicht „persönlicher“ Gehorsam, sondern eine automatisierte Unterordnung. Der Mann ist immer „Chef“, ausser es gibt explizite Ausnahmen. Früher hast Du es vielleicht nicht bemerkt, aber auch da gilt natürlich, je älter der Mann, desto unangreifbarer. Jaja. Da müssen wir alle ran. Und ich verstehe sehr wohl, dass es aus Deiner Perspektive ebenfalls unerfreulich ist.

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