Angst vorm Ideenklau?

Schon in der Schule gab es die, die sich fürchteten. Und Mäuerchen bauten, damit ihnen keiner beim Test etwas abschreiben konnte. Und in der Uni waren zu meiner Zeit bei den Geisteswissenschaftler viele Einzelkämpfer/innen unterwegs. Auch heute noch erlebe ich unter Freiberufler/innen solche, die nicht gerne über ihre aktuellen Projekte sprechen. Bestimmt manchmal auch, weil sie nicht gerne ungelegte Eier bereden möchten. Ich dagegen rede gerne über neue Ideen. Ohne das Gefühl, es könne etwas gestohlen werde. Weil alles, was ich mache, nur von mir so oder so gemacht wird. Es kommt dabei nicht so sehr auf die Idee an. Sondern auf die Art und Weise, wie ich sie ausführe. Geschichten erfinden, Dinge sehen, Kunst beschreiben, meinetwegen auch Essen kochen oder Kleider tragen. Vielleicht wäre es etwas anderes, wenn ich Erfinderin wäre? Oder Meisterköchin der besten Süßspeisen des Universums. Ob ich dann noch immer keine Angst vorm Ideenklau hätte?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 8

  1. wolkenbeobachterin 18. April 2017

    Wenn ich mich recht entsinne, war es Ray Bradbury, der in seinem Buch „Zen in der Kunst des Schreibens“ schrieb, dass er nie über seine aktuellen Romanprojekte spräche, da durch das Aussprechen schon ein Teil der Energie „verloren ginge“, die ihm hinterher zum Schreiben fehlen würde. Ich wusste, was er meint und finde es plausibel und nachvollziehbar.

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    • Stephanie Jaeckel 18. April 2017

      Ja, ich denke, da sind Leute auch sehr verschieden. Manche brauchen viel Stille um sich rum, um einen Roman zu entwickeln, andere suchen eher das Gespräch. Es ist immer wieder interessant, wie einige Energie aus dem Miteinander und dem Teilen ziehen, andere dagegen aus dem Alleine sein. Es gibt da sicher kein Rezept. Was ich meine, ist, dass es bei der Entscheidung keine Angst braucht.

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  2. agnes p. 18. April 2017

    Interessanter Gedankenanstoß.
    Ich spreche auch ungern über meine Ideen, nicht aber aus Angst vor Ideenklau, sondern weil ich a) sowieso ungern rede und b) fürchte, schon allein das drüber reden würde die Ideen kaputt machen und c) ich Angst vor jenen habe, die mir sofort aufzeigen, dass meine Ideen doch eigentlich nur Flausen sind.
    Natürlich ist das eigentlich Unsinn und es würde hingegen wohl sogar hilfreich sein, über manche Ideen auch zu sprechen, um sie zur Umsetzung zu bringen.

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    • Stephanie Jaeckel 18. April 2017

      Das ist für mich eigentlich die wichtigste Motivation: Meine Idee abzugleichen. Also zu hören, wer mir Flausen attestiert. Das kann ja so hilfreich sein: Entweder lasse ich die Kritik nicht gelten, weil ich sie nicht teile. Oder ich teile sie, und muss dann sehen, wie oder ob ich meine Idee umbaue. Sie muss sich ja irgendwann so oder so an einem Publikum messen. Ausserdem werden Dinge, über die man spricht, eher Wirklichkeit. Also, so ist es für mich. Da hat jeder Mensch seinen eigenen Radius.

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      • agnes p. 18. April 2017

        Mit „Flausen“-Ausredern habe ich leider schlechte Erfahrungen gemacht. Ich kannte mal jemanden (zu gut und zu lange), der grundsätzlich alle Ideen von allen sofort zunichte geredet hat, nicht nur meine, sonder auch die von anderen.
        Von daher wundere ich mich jetzt immer, wenn ich jetzt von einer Idee berichte und mir diese nicht sofort als hirnrissiger Schwachsinn um die Ohren gefleddert wird.

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        • Stephanie Jaeckel 18. April 2017

          Ja, würden wir uns immer auf schlechte Erfahrungen berufen – !? Ich mache natürlich schlechte Erfahrungen. Aber es liegt doch an mir, sie einzuordnen. Auch ich kenne Leute, die sofort in die Konfrontation gehen, sobald ich eine Idee habe. Aber das finde ich hilfreich. Weil es immer Kritik und Konfrontation gibt, wenn man sich mit etwas eigenem rauswagt. Es ist doch wichtig, das auszuhalten. Ich bin kein Kind mehr. Kritik kann mich heute nicht mehr vernichten. Sie kann mich ärgern, verletzen oder kurzzeitig aus der Bahn werfen. Aber sie kann mir auch einen Wink geben, wo eine Idee schwächelt, oder mit was ich zu rechnen habe. Wer mir „hirnrissigen Schwachsinn“ attestiert, sorry, das kann ich sowieso nicht gelten lassen.

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