Nikotin-Obeliske

Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank gefallen ist, so war ich früher mehr als einmal in eine Wolke von Nikotin getaucht. Sie hing fast überall, besonders dicht im Auto, soweit ich mich erinnern kann. Natürlich wurde mir schlecht. Natürlich konnte ich Rauchen an sich nicht wirklich erfassen. Warum taten Erwachsene das? Sehr rätselhaft. Wie so vieles. Und daher nicht unbedingt oben auf der Agenda. Ich bin seitdem immun. Doch, ich kann schon mal eine Zigarette rauchen. Als ich eine Weile im Chor gesungen habe, war ich diejenige, die die Chor-Packung in der Handtasche hatte: Es war klar, dass ich in der Woche nicht eine Zigarette daraus nehmen würde. Tatsächlich vergaß ich das Päckchen meist sofort. Entsprechend arg zerknittert sah es häufig aus.

In letzter Zeit ertappe ich mich dabei, vielleicht doch noch einmal eine Schachtel Zigaretten kaufen zu wollen. Irgendetwas lockt. Nein, nicht dieser fürchterliche Geruch. Eher die zum Rauchen gehörenden Gesten. Wenn man bedenkt, dass man ja eigentlich nur so ein kleines glimmendes Stängelchen halten muss. Aber welch‘ grandiose Auftritte manchmal. Und so cool. Aber vielleicht gibt es ja etwas anderes, was einen so entspannt dastehen lässt. Eine Idee?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 10

    • Stephanie Jaeckel 4. Februar 2017

      Du hast gut reden. Du warst schließlich mal Raucher und konntest das gute Gefühl auskosten. Aber es stimmt natürlich, ohne was in der Hand rumstehen, ist natürlich ultracool. Und dann aber keine Raute machen… – dennoch, aber Salzstangen sind es nicht, einen Zauberstab nimmt auch nicht jede/r ernst…

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  1. volkerwiesner 4. Februar 2017

    Denke, viel hängt am Aroma. Gerüche gehen ungefiltert ins Stammhirn. Probier mal Zigaretten mit Tabak ohne irgendwelche Zusätze. Also wirklich ohne Zusätze, nur den getrockneten Tabak. Ist bestimmt nahezu eklig. Ich behaupte: es ist die raffinierte Parfümierung. Gar nicht das coole irgendwas in den Fingern halten. Das würde auch ein Strohhalm können.

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  2. agnes p. 4. Februar 2017

    Als ich noch geraucht habe, war das schon allein das Drehen der Kippen ein Ritual, hochgradig beruhigend und cool Mund lässig sowieso ;-). Dann das tiefe Ein- und Ausatmen.
    Jetzt trage ich immer Häkelnadel und Zeichenzeug bei mir. Wenn ich mich unwohl fühle, habe ich etwas in den Händen, was meinem „Dasein“ eine Berechtigung gibt.
    Mein Großvater hatte, nachdem er das Rauchen aufgegeben hatte, immer ein Streichholz im Mundwinkel. Das sah auch ziemlich lässig aus.
    Aber ehrlich, manchmal vermisse ich das Rauchen auch, nicht das Nikotin, sondern ebenfalls die damit verbundene Geste.

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  3. tantemasha 5. Februar 2017

    Egal, wo man hinkommt, wo Gruppen aus einander unbekannten Leuten sich zusammenfinden, die Raucher kommen als erste zusammen. Den sozialen Aspekt habe ich immer beneidet. Und die dramatische Geste, wenn das Leben einen von hinten überfällt und man mit bedeutungsschwangerem Blick inhalieren kann. Leider war es auch bei mir nicht überzeugend genug. Eine Idee fürs entspannte Dastehen habe ich nicht, nur eine weitere Frage: Was kann man statt „Rauchst Du eine mit?“ sagen, um Berührungsängste abzuschütteln? Hmmm.

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