Geisterfahrt

Die Amerikaner/innen waren für mich schon als Kind etwas Besonderes. Mein Vater hatte nach dem Krieg nur Gutes mit ihnen erlebt, meine frühen Erinnerungen drehen sich um Raumschiff Enterprise, Mickey Mouse und natürlich um Coca Cola. In den letzten anderthalb Jahren haben nun diese Amerikaner/innen eine Wahlschlacht hingelegt, die hässlich war, wie keine je zuvor. Jetzt haben sie dort vermeintlich einen der ihren gewählt, keinen Präsidenten. Offensichtlich ist das Misstrauen gegen Politiker/innen größer als jede Vernunft. Nicht, dass ich das von oben herab meine. Wir haben mit der AfD einen ähnlichen Kandidaten auf der Liste, auch hier übernehmen Geister das Steuer. Politik ist keine Show, sie ist harte, oft umspektakuläre Arbeit, bei der Augenmaß und vor allem Demut angesagt ist. Nicht ICH bin Präsident, sondern ich stehe an der Spitze meines Landes. Trump wählen, so habe ich gestern noch gelesen, bedeutet, die Überraschung wählen. Man will offensichtlich unterhalten werden, in einem Metier, dass sich im Grunde sämtlichen Ansprüchen auf Fun und Spass entzieht. Die Demokratie, auch das ist mittlerweile eine bekannte Tatsache, ist auf dem Rückzug. Nein, ich habe keine Angst vor den nächsten vier Jahren. Aber ich denke, wir sollten uns langsam damit anfreunden, wieder für unsere Belange zu sprechen, und zwar laut. When they go low, we go high. Dieser Appell behält seine Gültigkeit.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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