Lieblingsbücher

Birgit von „Sätze und Schätze“ hat mich heute dazu gebracht, in meinen Regalen nach Lieblingsbüchern von Autorinnen zu schauen. Wann die jeweiligen Bücher mich gepackt haben, weiß ich gar nicht so genau zu sagen, Paula Fox jedenfalls kam spät dazu, ich weiß nicht einmal wie – es muss ein Zufall gewesen sein. Mein Favorit unter ihren Romanen ist „Der Gott der Alpträume“, aber auch ihre Erinnerungen an die Zeit, die sie als junge amerikanische Journalistin im Nachkriegseuropa unterwegs war, bewegen und bezaubern mich. „Damals war die Welt in so vieler Hinsicht (…) eine andere.“ So schreibt sie, und vielleicht ist es dieses Anderssein, was mich derart bewegt. Denn Paula Fox lebt noch, doch die Geschichten, die sie aus meiner Heimat erinnert (wenn ich Europa als meine Heimat in Anspruch nehmen darf), sind wie von einem fernen Stern. Wie kaputt die europäischen Nationen nach dem Krieg waren, weiß ich natürlich. Aber natürlich weiß ich gar nichts. Auch vom „kältesten“ Nachkriegswinter hatte ich schon gehört. Doch was ich lese, ist etwas, was dieses Wissen weit hinter sich lässt. Wie mutig diese junge Amerikanerin war, denke ich oft. Wie unvorstellbar das, was sie sah und hörte. Ihre erste Station ist London und schon hier fällt mir ihre Unerschrockenheit auf. Sie wohnt nacheinander bei drei Paaren und erlebt in dieser Zeit Armut und Reichtum, ganz ohne Angst um eigene Befindlichkeiten oder Einschränkungen. Sie fährt nach Paris, verliebt sich hoffnungs- und bedingungslos, sie spürt den französischen Esprit und die Lebensfreude aus den Trümmern aufsteigen, gleichzeitig die ganze Vergeudung der vergangenen Jahren und die Wunden, die der Krieg in Gesellschaft und Individuen geschlagen haben. Die Reise nach Warschau wird die kälteste, die sie je unternimmt. Sie begreift nur langsam die Ausmaße der Judenverfolgung, indem sie versteht, wie die Machtfantasien der Nazis auch Menschen in benachbarten Ländern infizierten. Sie kehrt aus Warschau nach Paris zurück, um kurze Zeit später in die USA zu fahren. Weinend. Denn in Europa bleiben konnte sie nicht, in die USA zurückzukehren würde jedoch keine Rückkehr in die Heimat bedeuteten, Europa war nicht mehr ungeschehen zu machen. Was sie erfahren hat auf ihrer Reise ist das ganz andere einer fremden Lebensweise. Mit ihren jungen, durchaus naiven Augen die europäische Nachkriegszeit zu sehen, ist für mich eine enorm wichtige und bereichernde Erfahrung geworden. Keine leichte Lektüre, aber eine, die ich immer wieder aufnehme.

Filed under: Rezension

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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