Was ist eigentlich Urlaub?

Fast alle reden schon wieder davon und freuen sich. Auf den Urlaub. Nach Spanien geht es, nach Stockholm, in die Berge oder ins Umland. Hauptsache weg, Hauptsache günstig. Und Hauptsache für mehr als eine Handvoll Tage. Sprachgeschichtlich lässt sich das Wort Urlaub auf Erlaubnis zurückführen. Was schon Bände spricht. Heute ist mit Urlaub meist Abwechslung vom Alltag gemeint, je länger, desto lieber.

Aufstehen wann man will, baden gehen, wandern, segeln, reiten oder sonst was. Schönes Wetter haben. Draußen sein, mit Freund/innen abhängen, lesen, nichts tun, träumen, trödeln, schreiben, fotografieren. Tanzen, Filme gucken, Nächte durchmachen, alles andere auf Morgen verschieben. Vielen ist der Urlaub ein Lichtstreif am Horizont. Eine Verheißung. Eine Belohnung. Ein Fest. Wie ist es bei mir eigentlich? Im Grunde reise ich nicht gerne, bin aber froh, mal woanders zu sein. Urlaub zu machen, um – ??? Alles, was ich dort tue, kann ich hier auch. Außer: Aufs Meer gucken. Von fremden Tellerchen essen. Morgens schon Blumenduft schnuppern. Zum Kreuz des Südens schauen.

Brauche ich Urlaub? Möchte ich Urlaub? Oder habe ich schon den Urlaubsföhn vor lauter Urlaubsgerede? Manchmal kommt mir die ganze Rumerholerei vor wie ein großer Schwindel, von dem wir uns nur zu gerne erfassen lassen. Wie seht Ihr das? Könnt Ihr Euch ganz dem Fernweh hingeben? Oder habt Ihr Skrupel oder andere Zweifel? Na, ich kann mich ja erst mal auf den Balkon setzen. Um über Weiteres nachzudenken.

 

 

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 7

  1. Claudia Bett 1. Juli 2016

    Ich bin ein ziemlicher Urlaubsmuffel. Ich fahre gerne hin und wieder ein paar Tage weg, um mir eine andere Stadt oder einfach eine andere Landschaft anzusehen und etwas zu erkunden, das mich interessiert, aber nach spätestens drei bis vier Tagen zieht es mich wieder nach Hause. Der Erholung wegen fahre ich jedenfalls nie in Urlaub, denn wirklich erholen kann ich mich nur zuhause, wo mir alles vertraut ist.

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    • Stephanie Jaeckel 1. Juli 2016

      Oh ja, der gute alte Urlaub hat sich längst aufgesplittert in alles Mögliche, vom Bildungsurlaub bis hin zur Sauforgie. Ich denke, diese Verteilung: die Nase rausstrecken und andere Luft und was auch immer schnuppern ist für viele eine Hauptattraktion des Wegfahrens. Vielleicht ist der klassische Urlaub eher was für Familien, oder für diejenigen, die sich gerne an Familienurlaube erinnern.

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  2. mannigfaltiges 1. Juli 2016

    Urlaub ist erstmal Stress, aber der gute, der Eustress. Urlaub ist dazu da, um neue Eindrücke zu sammeln, soviel wie möglich. Nie Pauschalreisen oder geplantes Sightseeing – sondern nur in groben Zügen die Must-sees als Eckpunkte festlegen und dann sich treiben lassen.Ein Lieblingswort: flanieren. Oder Landschaft auf Nebenwegen erkunden.Nie mehr Strand, außer bei herbem Wetter zum Spazierengehen. In den letzten Jahren waren es eh nur mehr Kurztripps. Ich bin auch froh, dann wieder zu Hause zu sein. Früher war aber auch wesentlich mehr Fernweh.
    Wie schon in einem Kommentar geschrieben: erholen kann ich mich zuhause, auf dem Balkon oder im Garten, am besten.

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    • Stephanie Jaeckel 1. Juli 2016

      Hmmm – ja, das Fernweh. Das lässt sich zu Hause wirklich nicht beheben. Wahrscheinlich ist es eine nahe Verwandte der Neugier. Oder – schlimmer – ein Anspruch, in der Welt zu Hause sein zu können. Wie wichtig es ist, auf anderen Kontinenten andere Erfahrungen zu machen, beweist einmal mehr Alexander von Humboldt, der in Südamerika sein erstes Erdbeben erlebte und von da an wusste, dass der Boden, auf dem wir stehen, keineswegs fest ist. Damals eine ungeheure Erkenntnis für westliche Wissenschaftler. Insofern ist Reisen wahrscheinlich mit das Klügste, was wir machen können. Aber wenn ich an „meine“ Sklaven denke, wird mir blümerant. Denn alles, was ich mir so rausnehme, wird auf dem Rücken anderer ausgetragen. Das scheint in der aktuellen Welt so eine Art Normalität zu sein – ?!

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      • mannigfaltiges 1. Juli 2016

        Du hast recht, Fernweh, Neugier und Wissensdurst sind nahe Verwandte.Und wenn man reist – zumindest wenn man es mit offenen Augen tut – erfährt man wenigsten wie unsere“Sklaven“ leben. Aber Sklaven gibt es ja überall, auch vor unserer Haustür. Kürzlich war ein Bericht im TV, über osteuropäischen Paketdienstfahrer. Diese leben, schlafen in ihren Lieferwägen. Durch ein verschachteltes System von Subunternehmern wird der Mindestlohn umgangen, teilweise sehen sie monatelang kein Geld. Interssieren tut das keinen, hauptsache das Paket kommt pünktlich und die Versandkosten sind billig. Und war es nicht immer schon so? Der Wohlstand und das schöne Leben der einen wird mit dem Ausbeuten der anderen erkauft. Ich glaube auch nicht das sich hier etwas ändert. WIr können nur für uns und im kleinen versuchen es besser zu machen. Deine Idee mit dem Sharing ist ja schon mal ein guter Ansatz.

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