Keine Zeit!

Der Trend geht zur Atemlosigkeit. Wen ich auch spreche – niemand hat mehr Zeit. Und (fast) jeder tut es – ungefragt – kund. Was ist los? Welche Zeitvorstellungen plagen uns, dass wir in einem bewegten Alltag nur noch „keine Zeit“ denken. Für was denn? Und wenn: Wirklich??? Bei mir jedenfalls sind die Sachen, die ich lange vor mir herschiebe oft in Windeseile erledigt. Irgendwie lagen sie mir – rückblickend betrachtet – nur schwer auf dem Magen und drückten von dort auf mein Zeitgefühl. Manchmal gibt es auch Dinge, die nicht zu tun einfach besser sind, als sie auch noch zu erledigen. Wie erleichtert bin ich hin und wieder ein „to do“ einfach zu streichen. Selbst bei Vorhaben, die ich seit Monaten von Woche zu Woche weiter schiebe, erlaube ich mir gelegentlich die Frage, ob es denn wirklich so dringend ist. Und wenn ja: Dann am besten sogleich angehen.

Ein Geheimnis, das offenbar niemand mehr kennt, ist doch unter der Zeit weg zu tauchen. Es geht so ähnlich wie beim Singen mit Erkältung. Man muss unter das Kratzen im Hals kommen, dann geht es. Wenn vielleicht auch nicht für Stunden, doch hier wie da reichen ja oft schon 10 oder 20 Minuten. Nur fünf Minuten aus dem Stress auszusteigen, kurz vor die Türe gehen in die Wolken schauen reicht oft, dem Zeitdruck deutlich die Luft rauszulassen.

Mir hilft es auch, die vollen Tage als Zeitpensum auf Null zu setzen. Dann habe ich nicht „keine Zeit“, sondern einfach einen normalen Alltag. Ich fühle mich nicht ununterbrochen am Limit, sondern eher im Strudel der Ereignisse. Ob man sich damit die eigene Ausbeutung schön redet? Keine Ahnung. Momentan scheint mir das jedenfalls die bessere Einstellung zum vollen Arbeits- oder auch Freizeitalltag als das ständige Herunterbeten des „Keine-Zeit“-Mantras. Mal schauen, wie weit ich damit komme…

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. Mion 20. April 2016

    Die Menschen um dich rum herum schreien nach Hilfe! Der Satz den sie aussprechen ist in Wirklichkeit unvollständig. Sie möchten am liebsten schreien: “Ich habe keine Zeit, für MICH!“
    Die Angst vor dem Tod lässt sie verzweifeln, auch wenn er noch weit weg zu sein scheint. Angst ist ein starker Motor…

    Gefällt 1 Person

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