aus Fiktion und Wirklichkeit, Vergangenem, Gelesenem, Erlebten. Und heute trifft sich alles, hier, im kühlen Kreuzberger Zimmer, wo ich lese und Erinnerungen nachgehe. Wie ich gelacht habe, vor Jahren, als ich aus der Metro stieg, gleich neben dem Central Park und als erstes Gesicht Alexander von Humboldt mich weise anschaute – sein viel zu großes bronzenes Andenkengesicht, Guten Abend, New York. Dass ich da schon in ihrem Arbeitszimmer gesessen habe, oben im American Museum of National History und dass ich in ihren Ausstellungsräumen dachte (oder ahnte), dass sie mich noch beschäftigen würde. Das Arbeitszimmer von Margarete Mead im AMNH ist heute eine kleine Caféteria, ihre Begegnung mit diesen damals so fremden Menschen (und sie wusste natürlich, dass es längst nicht die Wilden waren, die sich ihre Leser in London oder New York vorstellten) beeindruckten mich zutiefst. Wo würde ich heute noch einen Fremden finden – oder war das die völlig falsche Frage, weil Entfremdung in unserer Zeit längst eine neue Lebensrealität geworden ist. Das Buch, in dem ich heute lese, heißt „Euphorie“, es ist von der amerikanischen Autorin Lily King geschrieben und seit langem wieder ein Roman, der mich fesselt. Nein, das wird keine Rezension. Obwohl es ein Buch ist, das ich sofort empfehlen würde: Es bewegt mich, oder eben, es bewegt die Erinnerungen in mir, Bilder, Gefühle, es weckt Neugier und meine Lust auf Fremdes. Ich werde jetzt endlich auch – zumindest ein oder zwei – Bücher von Mead lesen, ich werde mich in den Urwald versetzen und über meine allzumenschlichen Regungen nachdenken. Lesen ist leben. Und nicht bloß Eskapismus, wie es dem Roman seit Jahrhunderten unterstellt wird.

wildgans 13. Dezember 2015
Feine Foto-Text-Kombination!
Das Gewirr verzaubert!
Und erst Recht dieses Wort am Ende: Eskapismus. Ein Hoch darauf!!
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Maren Wulf 13. Dezember 2015
Ja, das kann Lesen auch sein. Ich freu mich mit dir.
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Myriade 14. Dezember 2015
Hin und wieder ein bissl Eskapismus kann man sich schon auch gönnen 🙂
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Stephanie Jaeckel 14. Dezember 2015
Hach, ich schreib ja manchmal so hermetisch. Natürlich kann Lesen noch viel mehr sein. Sollte eher eine Momentaufnahme werden mit der Erkenntnis, dass sich Lebensfülle auch schon mal im stillen Kämmerlein ereignet.
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