Tochter einer Amazone

Wenn ich das mal gewusst hätte. Als junge Frau war meine Mutter nicht nur hübsch, sondern auch witzig, schlagfertig und ausgelassen. Mit Chinahütchen auf Baumstämmen reiten, und zwar außerhalb jeder Karnevalszeit, ist ja schon gewagt (wir schreiben die 1950er Jahre), vor allem ihr entschlossener Blick gefällt mir. Tatsächlich kannte ich dieses Bild und viele andere nicht, es sind Fotos aus den ersten Ehejahren meiner Eltern, offensichtlich hat meine Mutter sie wie einen Schatz gehütet. Ich kann gar nicht beschreiben, wie gut es mir getan hat, dieses und einige andere Fotos von meiner Mutter als so einer aufgeschlossenen, lebensfrohen Frau gesehen zu haben. Die Tochter einer solchen – wenn auch nur Freizeit – Amazone zu sein, hat jedenfalls was.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. Avatar von Stephanie Jaeckel

    Stephanie Jaeckel 6. Oktober 2015

    Ich war kürzlich zu Hause bei meinem Vater und als die Rede darauf kam, dass ich eine Stippvisite nach München machen werde, und dabei auch einen Tag an den Schliersee fahre, lachte mein Vater und meinte, dort hätten er und meine Mutter ihre erste gemeinsame Reise hin gemacht. Und schwups war von irgendwoher das Fotoalbum geholt. So war das 😉

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  2. Avatar von Ina Stachat

    papiertänzerin 6. Oktober 2015

    … oh, wie gut ich dass nachvollziehen kann! Die versteckten Seiten unserer Mütter (die tatsächlich mal jung waren, vielleicht sogar ausgelassen) Ich liebe die Geschichte über meine Mutter als sie beschwipst mit dem Fahrrad im Straßengraben landete und dort übernachten wollte. Wer hätte das gedacht?

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  3. Avatar von Stephanie Jaeckel

    Stephanie Jaeckel 6. Oktober 2015

    Es war tatsächlich so, dass sie mir als Mutter nicht besonders imponierte. Sie war ängstlich, stellte ihr Licht stets unter den Scheffel und passte sich bis zur Verrenkung den Wünschen meines Vaters an – zumindest aus meiner Sicht. Wie gut, sie als eigenständige Person zu sehen. Und wie schön, dass sie zumindest ein paar gute Jahre hatte.

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