Pudding in den Beinen kenne ich. Pudding im Kopf war mir bislang neu, aber davon schreibt einer, der es wissen muss. Henry Marsh, britischer Neurochirurg, mittlerweile auch Buchautor. Der reißerische Titel „Um Leben und Tod“ ist berechtigt, Operationen am Kopf sind kein Zuckerschlecken. Angesichts der ständigen Angst vor dem Scheitern überraschte mich die Begeisterung von March für seine jahrzehntelange Arbeit am Hirn. Gleich auf der ersten Seite beschreibt er einen Eingriff, den er eigentlich nicht mag: Direkt ins Gehirn schneiden. Er ist vorsichtig, er ist routiniert, aber vor allem geht er mit einer ungeheuren Eleganz vor. Die Schönheit der Inneren Gefäße und Organe inspiriert ihn, und er hat genug Fantasie, seine Operationen zu Reisen ins Unbekannte zu machen. Und hier kommt dann auch der Pudding zum Zug:
„Ich blicke durch mein Operationsmikroskop, taste mich langsam durch die weiße weiche Substanz des Gehirns nach unten vor und halte dabei Ausschau nach dem Tumor. Die Vorstellung, dass mein Sauger sich in diesem Moment durch das Denken selbst, durch Gefühl und Vernunft bewegt, die Vorstellung, dass Erinnerungen, Träume und Gedanken aus Wackelpudding sein sollen, ist schlicht zu merkwürdig, um nachvollziehbar zu sein.“
Jeden Tag hochriskante Operationen. Mir kam mein Leben auf einmal doch sehr klein vor. Ich bin erst am Anfang des vierten Kapitels angelangt. Mal sehen, welche Schlüsse ich aus der Lektüre ziehe. Auf jeden Fall gibt es noch eine Rezension. Bis dahin wackele ich noch ein bisschen mit meinem Pudding im Kopf…
