Schau mich an

Karl Ove Knausgard hat in seinem aktuellen Artikel über Anders Breivik einen – wie mir scheint – lebenswichtigen Aspekt für Menschen in den Fokus gerückt: Das Wahrgenommenwerden. Man kann Kinder zur Verzweiflung bringen, wenn man sie zur Strafe wie Luft behandelt. Mobbing ist nicht umsonst so gefürchtet. Denn wenn ich nicht gesehen werde, verkümmere ich wie eine Blume, die niemand giesst. Das hat nichts mit Narzissmus zu tun oder mit einem zu großen Ego. Wer nicht gesehen wird, löst sich auf. Oder spiegelt sich – wie Knausgard ausführt – in „falschen“, das heißt nicht der Realität angehörigen Oberflächen, die dann zu unvorstellbaren Deformationen führen. Was das konkret heißen kann? Menschen anschauen, die man vielleicht nicht so mag. Vielleicht auch mal lächeln? Kolleg/innen nicht schneiden, auch wenn sie sich blöd verhalten haben. Ich muss mich ja deshalb nicht gleich in eine Grinsekatze verwandeln. Wir sind, das vermute ich zumindest, für unsere Nächsten mehr verantwortlich, als uns lieb ist. Solche Massaker scheinen jedenfalls dafür zu sprechen. Höchste Zeit, sich auch darum zu kümmern.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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