Karl Ove Knausgard hat in seinem aktuellen Artikel über Anders Breivik einen – wie mir scheint – lebenswichtigen Aspekt für Menschen in den Fokus gerückt: Das Wahrgenommenwerden. Man kann Kinder zur Verzweiflung bringen, wenn man sie zur Strafe wie Luft behandelt. Mobbing ist nicht umsonst so gefürchtet. Denn wenn ich nicht gesehen werde, verkümmere ich wie eine Blume, die niemand giesst. Das hat nichts mit Narzissmus zu tun oder mit einem zu großen Ego. Wer nicht gesehen wird, löst sich auf. Oder spiegelt sich – wie Knausgard ausführt – in „falschen“, das heißt nicht der Realität angehörigen Oberflächen, die dann zu unvorstellbaren Deformationen führen. Was das konkret heißen kann? Menschen anschauen, die man vielleicht nicht so mag. Vielleicht auch mal lächeln? Kolleg/innen nicht schneiden, auch wenn sie sich blöd verhalten haben. Ich muss mich ja deshalb nicht gleich in eine Grinsekatze verwandeln. Wir sind, das vermute ich zumindest, für unsere Nächsten mehr verantwortlich, als uns lieb ist. Solche Massaker scheinen jedenfalls dafür zu sprechen. Höchste Zeit, sich auch darum zu kümmern.
