Wohin mit leuchtenden Leseblitzen und Funken?

Gibt es vielleicht einen Zettelkasten (hu, Brandgefahr…), ein Sammelalbum, eine App gar? Oder so eine schöne Ausstellungsvitrine – ich meine, einen Ort, wo man auch kleine Leseeindrücke, Ideen hinterlassen kann zum Weiterdenken, zum Dagegensein, zum Nachlesen? Oder für Gedankenblitze, die sich nicht so schnell „dingfest“ machen lassen. Von einer Buchbesprechung erwarte ich Stringenz und damit Vollständigkeit. Wer Kritik übt, ist zur Gesamtlektüre verpflichtet und eben auch dazu, die eigenen Eindrücke nicht nur zu schildern, sondern auch zu belegen. Wer nur etwas „findet“, verfehlt den Anspruch einer klassischen Rezession. Aber was ist mit solchen Funden? So leuchteten in dem Moment, in dem ich „Das große Heft“ von Agota Kristóf zugeklappt habe, zwei Fragen vor meinem inneren Auge auf: 1. Sind es wirklich Zwillinge, von denen wir da lesen, oder ist es die Geschichte eines Einzelkindes, das sich den Zwilling als Panzer zulegt? 2. Gibt es Parallelen zu Grimmelshausens „Simplicissimus“? Das „große Heft“ musste ich leider schon wieder zurückgeben. Und ich habe gerade auch keine Zeit, in anderen Büchern weiterzulesen. Das heißt, um eine eigene Rezension zu schreiben, fehlt es mir an Gelegenheit. Ein eigenes großes Heft anlegen und solche Fragen notieren – zur späteren Bearbeitung? Oder gelegentliche Fragerunden zu gelesenen Büchern eröffnen, in der Hoffnung, dass andere Leser/innen mit ähnlichen Fragen herumgehen? Die weiße Vitrine gehört mir leider nicht. Sie würde ich sofort aufstellen und ab und zu nachschauen, ob jemand Antworten abgelegt hat.

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Avatar von Unbekannt

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. Avatar von Stephanie Jaeckel

    Stephanie Jaeckel 3. Juni 2015

    Du glaubst es nicht: Heute bin ich genau an der Stelle vorbeigefahren, wo damals diese Vitrine zum Trocknen stand – und was sah ich? Also gut, ein kleiner Briefkasten war es nicht, aber so etwas wie ein Regal (vielleicht) mit vielen Schlitzen an den Seiten. Ich hatte leider gar keine Zeit, ein Foto zu machen, musste aber lachen, weil es so aussah, als hätte mir da noch jemand eine Antwort hingestellt…

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