Neulich

erst schnappte ich eine Frage auf, die mich seitdem umtreibt. Nein, sie schlägt keine große Wellen. Sie erschüttert nicht mein Weltbild. Manchmal taucht sie sogar für eine Weile unter. Um dann plötzlich wieder vor mir zu stehen: „Welcher Tag deines Lebens war bislang der beste?“ – Hm. Ich habe noch nicht geheiratet, habe keine Kinder und auch keinen Nobelpreis bekommen. Aber das soll es ja vielleicht auch gar nicht sein. Ich schaue mich in meiner Vergangenheit um: Beste Tage? Ich meine, ich erinnere sofort beste Momente. Aber einen verdammt ganzen Tag? Nö, grummele ich dann, gibt’s bei mir nicht. Ein anderes Mal überlege ich, ob ein bester Tag wirklich ein angenehmer gewesen sein soll. Vielleicht war es ausgerechnet der, an dem ich an einer abgefallenen Krone eben nicht erstickt bin? Oder aber meist längst vergessene Tage, an denen ich meine besten Freund/innen kennen gelernt habe. Vielleicht sind sogar viele unspektakuläre Tage beste Tage, weil sie mir Raum geben, Ideen zu haben, oder Gefühle oder Erkenntnisse? Beste Tage? Seit mich diese Frage begleitet, denke ich tatsächlich oft, warum nicht heute ein bester Tag werden könnte. Oder war der beste gleich der erste, nämlich der Tag, an dem ich geboren wurde? Unanswered Questions ist eines der besten Stücke von Charles Ives. In diesem Sinne ist es vermutlich gut, dass ich noch keine Antwort gefunden habe.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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