Ich habe keineswegs das, was man eine Sprachbegabung nennt. Schon deshalb war das Gymnasium mit drei Fremdsprachen ein echtes Hindernisrennen für mich. Wie sehr habe ich meine Mitschülerinnen beneidet, die munter in den Grammatikbüchern blätterten, während ich meist nicht mal einen Schimmer hatte, welches Kapitel zu meinem aktuellen Sprachproblem passte. Die Schwierigkeiten sind geblieben, auch wenn ich heute viel kecker mit meinen knappen Sprachkenntnissen hantiere. Keine Frage, warum mich als Schülerin das Pfingstwunder so beeindruckte – wenn ich ehrlich bin, tut es das übrigens auch noch heute:
„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“
Das Brausen, der Sturm, und am besten die Zungen. Ich meine, wer auch nur Englisch gelernt hat, weiß, dass es dafür eine andere Zunge braucht. Bei Französisch ist es nicht anders – und versuchen Sie erst mal Chinesisch. Da bedarf es wahrscheinlich gleich eines neuen Mundraums. Der Babelfisch ist wohl die säkulare Variante des Pfingstgeschehens. Den muss man sich – wenn ich mich richtig erinnere – auch nur sehr prosaisch ins Ohr stecken. Aber dafür gibt es auch keine Babelfisch-, sondern nur Pfingstrosen. Mit Blütenzungen in rot, und wie hier zu sehen, in Brandgelb. Ein Wunder? Wohl kaum. Aber ein ungeheuer beglückender Anblick. Allen ein schönes Fest!

Aikitangera 24. Mai 2015
Ni hao und xie xie!
LikeLike