Ich kann mich gut erinnern an den Moment, in dem ich in der Grundschule überlegen sollte, wie alt ich im Jahr 2000 sein würde. Paff! Erwachsen. Und wie! Gar nicht vorzustellen damals. Vielleicht auch, weil ich dachte, es gäbe so etwas wie einen Schalter, mit dem man von der Kindheit ins Erwachsensein geknipst wird. Oder dass man auswächst und am Ende weiß, dass man ab jetzt erwachsen ist.
Was vor mir lag – rückblickend sind wir ja alle schlauer – war eine Strecke lautloser Übergänge. Und keine Wegmarke, bei der ich sagen könnte, ab da. Im Gegenteil. Heute bin ich oft platt, wie sehr ich Kind geblieben bin. Aber ist das jetzt das Kind in mir oder bin ich das, mein Ego, das nicht so richtig mit wächst, weil ich mit Pipi Langstrumpf damals diese komischen Pillen genommen habe? Sind Erwachsene innen drin so oder habe ich Wachstumsstörungen?
Erwachsen zu denken oder handeln, heißt Verantwortung zu übernehmen. Größere Horizonte zu überblicken. Mögliche Kollateralschäden vorauszusehen. Es heißt hier Geduld zu haben und dort die eigenen Interessen durchzusetzen. Disziplin zu entwickeln, Dinge (immer wieder) zu tun, die man nicht so mag (aber weiß Gott auch nicht zu oft). Zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist oder ob der Zug abgefahren ist (und was dann tun). Andererseits ist Kind-Sein ja auch nicht nur das, was alles noch nicht klappt. Rette ich also was, wenn ich als Erwachsene Kind bleibe? Oder bin ich nur halb geschlüpft? Sind Kind- und Erwachsensein überhaupt solche Gegensätze, wie ich einmal dachte, als ich kleiner war?

papiertänzerin 11. Mai 2015
… ha, endlich eine Gleichgesinnte! Ich denke auch oft, dass ich den Abzweig ins Erwachsenenland verpasst habe. Meine Kinder finden das toll, aber bei erwachsenen Menschen bin ich mir da nicht so sicher…
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