Sinnsuche

Ob das Leben in Räumen (oder im Unterschlupf) erst das Nachdenken über Sinn – hm – ob intelligente Lebewesen erst im Schutz vor Wind und Wetter über den Sinn und Unsinn ihres Daseins nachzudenken beginnen? Dieser merkwürdige Gedanken kreuzt seit der Dämmerung meinen Kopf. Fängt man wirklich erst in einer Pause an, über das Erlebte oder das Bevorstehende nachzudenken? Ist das Leben in der Wildnis deshalb für die meisten von uns so weit abgerückt, weil im Wetter kaum Bedeutung herzustellen ist? Die Natur fordert unsere Aufmerksamkeit. Sie zersplittert die Zeit in flüchtige Momente, für die Präsenz und Gelassenheit gefragt sind. Erst abends in der Hütte mag weiter am Sinnfaden gesponnen werden. Umgekehrt lässt sich daraus was machen: Wenn der Sinn abhanden kommt, ist rausgehen eine große Möglichkeit. Suchen Tiere deshalb nicht nach Sinn? – Und tun sie es wirklich nicht? – Ist Ausgesetztsein deshalb niedriger zu achten, sind Obdachlose per se arm dran? Oder wechseln sie das Feld? – von sozialen Katastrophen, von persönlichen Krisen selbstredend abgesehen (Flüchtlingen ist mit diesen spielerischen Gedanken ebenfalls nicht zu kommen). Manchmal stelle ich mir vor, dass kurz vor dem Tod der Sinn Kopf steht: Dass alles, was ich mir gedacht habe plötzlich andersherum gilt. Oder gelten könnte. Seitdem versuche ich den Sinn offener zu halten. Aufmerksamer zu sein. Ob es nützt?

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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