Die Eins suchen

So heißt der Text, den ich von meinem Freund Tomas dieses Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Tomas ist Pianist. Ich habe mal Blockflöte gelernt. Und stehe dazu, nicht zählen zu können. Was nicht das Finden der Ziffern in richtiger Reihenfolge bis Ultimo meint, sondern dieses merkwürdige Klopfen zur Musik, was mir noch gefallen könnte, müsste es nicht immerzu mit irgendeiner Eins beginnen (und fortfahren). Wir sprechen von Rhythmus oder auch von einem Puls, was mir besser gefällt. In der Antike dachten sich die Wissenschaftler, die damals in Personalunion Philosophen waren, die Bahnen der Gestirne als klingende Saiten, das All als Klangkörper sphärischer Musik. Die heutige Astrophysik ist kurz davor, Sounds aus dem All zu empfangen.

Seit ich Sounds, Geräusche, Stimmen im Audioschnitt bearbeite, bin ich dem Rhythmus wieder in die Arme gefallen. Er wirft mich hierhin und dahin – wie gesagt, ich kann nicht zählen – er durchquert mit mir Raum und Zeit bis mir schwindlig ist. Rhythmus, lerne ich, ist Veränderung, ist Abfolge, ist Performance. Mit dem Rhythmus stoße ich direkt ins Gefühl, er ist mein Lebenstempo aber auch die Spur, auf der man mir folgen kann. Rhythmus ist Tanz, aber auch der Rahmen, in dem ich Veränderung wahrnehmen kann. Besonders gefällt mir ein Vergleich, den eine amerikanische Musikerin neulich im Radio zog: „rhythm is a landscape that you build.“

 

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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