Traumwandel

Träume sind Schäume, weiß der Volksmund, meine Träume waren meist Hochleistungssport, galt es doch in einer einzigen Nacht mindestens 50 verschiedene Settings zu durchrennen, -fahren, -fliegen, -radeln oder in leise dahin schwimmenden Booten zu durchdümpeln. Ich stellte mir meine Traummeisterin wie eine etwas schlampige Cutterin vor, Zigarette im Mundwinkel und alle paar Minuten eine Kaffeepause (oder zumindest ein Gang zum Automaten). Auf eine Handlung oder Lesbarkeit des Traums achtete sie nie. Einzelne Sequenzen wurden so aneinander geklebt, wie sie sie – scheinbar achtlos – aus meinen Gedanken, Blicken, Sehnsüchten kopierte. Sie mochte Großstädte, Straßenschluchten, Häuser, die sie mit Leichtigkeit durchquerte, Flughäfen, fremde Menschen. Wurde ich wach, hatte ich eine weite Reise hinter mir. Meist war ich außer Atem. Und dann wurde ich letzte Woche wach und erinnerte mich an meinen ersten „richtigen“ Traum, also einem mit einem Anfang und einem Ende (auch wenn beide eher lose waren), einer „Story“, einem sorgsam geführten Ablauf und scheinbar in Echtzeit, also nicht dauern auf der schnellen Vorspultaste. Bis letzte Nacht blieb es dabei. Ganze Träume. Jetzt bin ich irritiert: Wagt meine Traummeisterin einen Neuanfang oder wurde sie etwa ausgetauscht?

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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