Tatsächlich war Adelbert von Chamisso (Ende Januar 1781 als Louis-Charles-Adélaide de Chamissot auf Schloss Boncourt in der Champagne geboren) von früh an anders. Die Revolution zwang seine Familie ins deutsche Exil, und als es möglich wurde, wieder in die Heimat zu ziehen, war Adelbert unmerklich zu einem anderen Menschen geworden, der in Frankreich ein Deutscher, in Preußen aber ein Franzose blieb. Gute Voraussetzungen für eine Karriere im üblichen Sinn waren das nicht, aber beste Voraussetzungen für ein Forscherleben. Denn wer die Dinge möglichst vorurteilsfrei betrachten möchte, braucht einen unverstellten Blick und einen kritischen Kopf.
Schon früh, Chamisso zählte gerade 22 Jahre, war ihm die Sprache – zwar nicht abhanden, aber doch zum zweifelhaften Instrument geworden: ein eitles, leeres Zeichensystem, dass einem die Wirklichkeit mehr verhüllt denn erschließt. Er verstummte zum Glück nicht, sondern bediente sich fortan der „eitlen, leeren Zeichen“ in gleich doppelter Weise: als Literat und als Naturwissenschaftler.
Von ihm stammt auch der lächelnde kleine Walkörper, in weiches Holz geschnitzt von aleutischen Fischern, die sich auskannten mit den verschiedenen Walen, die vor ihren Haustüren das Meer kreuzten. Geschnitzte Holzfigürchen waren zu Chamissos Zeiten die beste (völlig sprachfreie) Möglichkeit, Darstellung der riesigen Meeressäuger zu nehmen. Alle Knochen waren für den Rücktransport auf einem kleinen Forschungsschiff zu groß, Zeichnungen nicht möglich, denn sobald ein Wal an Land kommt, verändert er seine Form und ist nicht mehr als das Tier, das er im Wasser ist, sichtbar. Auch Chamissos Walpüppchen sind übrigens im Berliner Museum für Naturkunde aufbewahrt.

papiertänzerin 8. November 2014
funkelnde wissensschätze, vielen dank fürs teilen. (und ab ins berliner naturkundemuseum). papiertänzerin
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