Es waren ausdrücklich Ausländer, die in dem neugeborenen Jesuskind den Sohn Gottes erkannten, Weise aus dem Orient, die seinen Stern hatten aufgehen sehen, wie es im Matthäus-Evangelium (und ausschließlich da) berichtet wird. Sie machten sich auf den Weg, folgten dem Stern, sahen das Kind, fielen vor ihm nieder und huldigten ihm (von sehr großer Freude erfüllt). Eine heikle Mission, denn König Herodes I. war misstrauisch, was dieses Jesuskind anging: Ein neugeborener König der Juden passte ihm nicht ins Konzept, schließlich ist er zu dieser Zeit (die Geschichtsschreibung nennt andere Zahlen, nach denen Herodes im Jahr von Christi Geburt bereits 4 Jahre tot war) König über Judäa, Samarien und Galiläa, ein eigener Sohn liegt nicht in der Wiege. Er hört mit Argwohn den Bericht der drei Reisenden, will sie aber zu seinen eigenen Zwecken als Wegweiser nutzen. Tatsächlich versprechen sie ihm, auf der Rückreise den Ort zu nennen, in dem sie das Kind gefunden haben.
Doch auf der Rückkehr erscheint ihnen ein Engel im Traum. Eine Episode, die in der Bibel nur einen halben Satz füllt und auch in der Kunst eher selten gezeigt wird. Einmal, um 1125 im burgundischen Autun, meißelt ein Bildhauer die Szene in Kalkstein, so schön und ernst und einprägsam, als sei er selbst dabei gewesen. Die drei Weisen sind in einer Herberge eingekehrt. Zu dritt liegen sie auf einer Bettstatt, hier schon als Könige markiert, denn sie haben ihre Kronen auch beim Schlaf nicht abgesetzt. Eng beieinander teilen sie eine Decke, der bärtige Älteste, der noch bartlose Jüngste in der Mitte, neben ihm der König in den besten Jahren mit Schnauzer. Ihn berührt ein herabgestiegener Engel sanft mit dem Finger an der Hand, die er, der Schlafende, auf die Decke gelegt hat. Geweckt von der zarten Berührung öffnet er die Augen und schaut uns über die Jahrhunderte hinweg an. Auch der Engel schaut in unsere Richtung, als wäre er der Moderator dieser Szene, der uns Zuschauern den Stern deutet, von dem die Könige träumen. Sie sind nicht zu Herodes zurückgekehrt. Als dieser merkte, dass ihn die Fremden getäuscht hatten, wurde er sehr zornig. Das Ergebnis kennen wir: Der Bethlehemitische Kindermord.
Der Traum der Könige, ein Kapitell aus der Kathedrale St Lazare in Autun, ist noch bis zum 25. Januar 2015 in der fantastischen Ausstellung „Die Heiligen Drei Könige“ des Schnütgen Museums im Haus des Rautenstrauch-Joest Museums in Köln zu sehen.
