Glaubst du an den Teufel?

oder zumindest an das Böse? – wäre so eine Frage, die Christen unmissverständlich mit Ja zu beantworten hätten, wie Kurt Flasch gestern in einer Diskussionsrunde an der Katholischen Akademie in Berlin zu bedenken gab: Keine halben Sachen, rief er gut gelaunt dem Publikum zu. Und dem wurde hier und da zusehends mulmig, ein guter oder zumindest gerechter Gott mag ja noch angehen, aber der Leibhaftige!?

Wir haben uns daran gewöhnt, aus dem christlichen Gesamtangebot – soweit wir uns überhaupt noch mit der Frage glauben oder besser nicht glauben? beschäftigen – das auszuwählen, was sich gut anfühlt oder gerade passt. Die Bedeutung der alten Glaubensformeln kennt kaum noch jemand, dass sie für Christen gültig sind, ist ebenfalls weitgehend vergessen. „Credo in Deum, Patrem omnipotentem, Creatorem caeli et terrae…“ Keine Vorwürfe! Selbstverständlich ist das nämlich alles nicht. Das Böse? Eher kein Thema. Bis es uns mit einem Alptraum erwürgt oder als Arschloch auf der Straße begegnet, dem wir nicht schnell genug ausweichen können.

Wolfgang Büscher war vor Jahren im Himalaya auf der Suche heute noch praktizierender Schamanen. Vor dem Aufbruch von Kathmandu aus besucht er Pater McKenzie, den einzigen Weißen, der seiner Zeit auf den tibetischen Schamanenberg geklommen war. Der Pater erzählt, er sei weit gegangen, aber die Grenze habe er nie überschritten, „wenn sie ihre Mantras sagten, sprach ich ein Vaterunser.“ Zum Abschied begleitet er Büscher in den Flur: „Of course there is a world beyond ours. Of course there are spirits. The main question is that of the evil. The evil is in the world.“ Wolfgang Büscher, damals allemal auf der Suche nach Jenseitigem, trafen, wie er schreibt, diese Sätze mit ihrer biblischen Wucht. Um wie viel heftiger treffen sie den, der nach Feierabend gemütlich im Lesesessel schmökert: Gibt es einen Teufel – und glaubst du an ihn?

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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