Gründe zur Annahme, dasz Würmer etwas Intelligenz entfalten

Sich als bärtigen Affen in einer Zeitschrift karikiert zu sehen, gehörte zu den fast noch schmeichelhaften Sticheleien, die er im Alter über sich ergehen ließ. Charles Darwin hatte fast 15 Jahre gezögert, seine Evolutionstheorie zu veröffentlichen. Doch dann ertrug er mit – zumindest scheinbar – stoischer Gleichmut die Anfeindungen seiner Kollegen und der Öffentlichkeit. Schließlich hatte er mit seinen Ideen die Welt auf den Kopf gestellt. Davon jedoch ließ er nicht ab. Er blieb bis zum Schluss dabei, das Unterste nach oben zu kehren, und es seinem neugierigen Blick auszusetzen. Zum Beispiel Regenwürmer.

Gegen Ende seines Lebens hatte sich Darwin aufs Botanisieren verlegt. Vielleicht war ihm der bärtige Affe doch auf die Nerven gegangen. Vielleicht aber spielten auch praktische Erwägungen eine Rolle: Mit Pflanzen jedenfalls ließ sich gut zu Hause experimentieren. Doch statt sich auf seine Experimente zu konzentrieren, sah er ebenso neugierig in die Blumentöpfe: „Da ich veranlaszt war, während vieler Monate in meinem Arbeitszimmer Würmer in mit Erde gefüllten Töpfen zu halten, so fieng ich an, mich für sie zu interessiren und wünschte zu erfahren, in wie weit sie bewuszt handelten und wie viel geistiges Vermögen sie entfalteten.“ (zeitgen. Übersetzung von J. Victor Carus, komplett zu lesen unter: http://www.regenwurm.de) Sein Buch „Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer“ erschien 1881, wenige Monate vor seinem Tod. Damit stellte er vielleicht nicht die Welt auf den Kopf, ein Affront war das Buch allemal, galten doch Regenwürmer zu Darwins Zeit als ausgemachte Schädlinge von Pflanzen aller Art.

Auf dem Foto ist der Ausschnitt eines Briefes von Darwin zu sehen, der im Berliner Naturkundemuseum aufbewahrt wird. Er ist an Christian Gottfried Ehrenberg adressiert, der ihm eine Reihe von Staubproben zur Ansicht geschickt hatte. Ehrenbergs Staubproben gehören heute zu den wertvollsten Exponaten der Berliner Sammlung.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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