Weibliche Schönheit

In der Antike gingen Schönheit und Vortrefflichkeit einher. Es war keine Frage: wer schön war, war auch ein toller Mensch. Das galt für Männer und für Frauen. Die Geschichte vom hässlichen Philosophen Sokrates und seinen gut aussehenden, ja wirklich schönen Schülern kennen einige vielleicht noch aus dem Unterricht. Mich hat das damals sehr beeindruckt (fand ich mich doch auch eher häßlich).

Es war übrigens das Christentum, das die Gleichung schön = gut aufbrach. Zunächst wahrscheinlich eine Befreiung, aber dann erwies sich dieses Denken als Falle, weil allmählich nur noch Frauen fürs Schönsein verantwortlich waren, die Männer konnten aussehen, wie sie wollten.

Die Sache ging in die Schieflage. Susan Sontag macht in einem Essay darauf aufmerksam, dass in katholischen Ländern wie Italien oder Spanien die Männer bis heute schön genannt werden können, während sie in Deutschland oder im englischsprachigen Raum bei gutaussehend stecken bleiben. Warum das ein Problem ist, lernen wir schon in der christlich geprägten Moral: Der Spiegel ist ein Werk des Teufels. Wer sich auf äußere Schönheit konzentriert vernachlässigt zwangsläufig die inneren Werte (auch damals schon hatte ein Tag nur 24 Stunden). Das ging dann soweit, dass Schönheit als oberflächlich abgestempelt wurde, nur leider blieb es in der Pflicht der Frauen, schön zu sein. Ich selbst erinnere mich an eine schmerzhafte Trennung, bei der mein Gegenüber klar machte, heiraten wolle er schließlich nur eine schöne Frau. Nein, er sah nicht besonders gut aus.

In der Schönheitsfalle stecken wir bis heute. Ich sehe zwar mit Freude, dass Männer aufholen. Aber das Dilemma bleibt: Wer schön ist, gilt als oberflächlich, und eigene Schönheit zu generieren, bleibt aufwändig. Das Schönheitsideal für Frauen ist gefährlich, weil einfach nur so sein, wie Frau ist, reicht nicht. Es gibt eine Vorgabe, die auszufüllen, bereits Arbeit bedeutet. Eine nicht gut aussehende, oder sich zumindest zum gut aussehen hin streckende Frau gilt als unzulänglich.

Viele junge Mädchen und Frauen, die ich auf Berliner Straßen sehe, haben den Schönheitsauftrag verinnerlicht. Was übrigens auch dazu führt, dass sehr viel Konformität unterwegs ist. Natürlich gibt es nach wie vor hinreißende junge Frauen und auch Männer. Manchmal denke ich, mehr Gelassenheit täte hier Not. Und wir könne da alle mittun. Unser Schönheitsideal überdenken, und die Schönheit in unseren Freund*innen, Kolleg*innen oder auch einfach von Leuten auf der Straße neu erkennen.

Das hinreißende Porträt zeigt einen Mann, soweit ich mich erinnere und ist in der ägyptischen Abteilung des Neuen Museums in Berlin zu sehen.

Musik hören

Zu Hause höre ich fast gar keine mehr. Aus dem Radio kommen Wortbeiträge, den alten CD-Player habe ich aus der Wohnung verbannt, über den Rechner ziehe ich nur noch gelegentlich ein paar Songs aus dem Netz. Warum das so ist, weiß ich nicht, ich habe immer gerne Musik um mich gehabt. Nicht bei der Arbeit, doch aber in der Freizeit oder beim Wohnungsputz.

Das gilt auch für Konzerte. Ich gehe super gerne hin, mache es aber nicht mehr. Dabei. Wenn ich gehe, erlebe ich meist Überraschungen. Neulich dachte ich, es gibt wenig so komplexe Strukturen, denen ich sonst im Leben begegne (bzw. es überhaupt bemerke). Mir kam die Assoziation dass Musik hören in einer Art dem Betrachten von Wellen gleicht. Alles bewegt sich, nichts bleibt so, wie es gerade noch war.

Und dann gibt es Momente, beim Wellen Betrachten wie beim Musik Hören, in denen ich die Komplexität der Welt zu erfassen glaube. Intuitiv, und nur für kürzeste Zeit, aber es offenbart sich mir ein Zusammenhang. Für eine Erleuchtung reicht es nicht. Aber für die Sicherheit, dass es etwas gibt, das größer ist, als ich oder die bloße Menge von Menschen oder Dingen.

Die Welt anders denken

Angesichts der vielen Krisen, in die wir Menschen uns und andere gebracht haben, heißt es erst einmal Luft holen. Zumindest, wenn ich aus meinem eigenen kleinen Alltag eine probate Krisenintervention vorschlagen könnte. Was ist an unserem Handeln auf der Welt so gefährlich? Woher speist sich dieses Handeln? Könnte es sein, dass wir falschen Prämissen aufgesessen sind?

Es scheint so. Denn Zerstören ist nicht das, was guten Umgang mit etwas anzeigt. Wir haben uns offensichtlich in einigen wichtigen Punkten geirrt. Das einzugestehen ist heikel. Weil es fünf vor Zwölf ist und wir vielleicht denken, „ach, wir haben es eh verkackt, weg damit“.

Ich bin ja bekennende Trekkie, und es gibt einen wichtigen Satz aus Star Trek, den ich mir sogar an die Wand getackert habe: „What, if we are wrong?“

Wie schon im vorhergehenden Post beschäftigt mich zum Beispiel die Frage der Abgrenzung, die wir Menschen angesichts unserer Umgebung betreiben. Wir sind Menschen, der Rest ist Umgebung. Und wir machen damit weitgehend das, was wir wollen. Wie sähe die Welt aus, wenn sie viele wäre, oder zumindest multiperspektivisch. Wenn andere Spezies mit anderen „Augen“, also anderen Formen der Wahrnehmung, ganz andere Blickwinkel hätten und uns diese anderen Perspektiven etwas sehr anderes als unsere menschengemachte Sicht böten. Und wenn es nur die Annulierung dieser unsäglichen Hierarchie von Lebewesen wäre, die in eine Skala von höher und niedriger gepresst wurden, nur weil wir Hände und Füße haben und das als Krone der Schöpfung begreifen.

Das ist alles noch sehr neu für mich und enorm abstrakt. Was mich konkret begleitet ist die einfache Frage: Welche Konsequenzen kann ich daraus in meinem Alltag ziehen? Was wäre denn eine Veränderung, wenn ich mich (und uns) nicht mehr im Zentrum des Universums sehe, sondern darin einfüge. Wenn ich eine andere Gemeinschaft denke als nur die mit meiner eigenen Spezies? Sicher gibt es da schon viele – vermutlich spirituelle – Antworten. Und vielleicht bringen sie mich weiter. Aber ich möchte hier einen ersten Schritt von mir aus gehen. Auch, wenn er mir erst nur in Gedanken glückt.

Sich mit der Welt verbinden

Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, wie ich der Welt, sagen wir in Ermangelung anderer Begriffe vielleicht „Umwelt“, wieder näher kommen kann.

In einer Großstadt zu leben, bedeutet, viel in bebauter Gegend unterwegs zu sein. Auch die ist natürlich „Umwelt“ und es geht mir auch gar nicht um die Idee von „Natur“, also von einer möglichst unberührten Landschaft. Sondern um die Verbindung mit Wetter oder dem Himmel oder den anderen Lebewesen, die da so unterwegs sind, meinetwegen auch Nachbars „Fiffi“.

Mir scheint es ein immer größerer Skandal, dass ich von den Tagen, in denen ich lebe, gar nicht viel oder sogar gar nichts mitkriege. Warum interessieren sie mich nicht? Und wie kann ich das ändern?

Mir scheint, ich brauche eine neue Antenne – oder eine alte, die ich habe verkommen lassen. Denn mehr draußen sein ist nur begrenzt möglich. Ich müsste wieder ein besseres Sensorium für Dinge bekommen. Um vielleicht auch zu begreifen, wie ich mich fühle, eben weil ich Teil von dem Draußen bin und keine Drinnen-Pflanze.

Vor 43 Jahren geschrieben:

Es kommt vor, daß ich meine, daß etwas klirrt
Daß sich irgendetwas in mich verirrt
Ein Geräusch, nicht einmal laut
Manchmal klirrt es vertraut
Selten so, daß man es direkt durchschaut

(Allerdings nicht auf Hochdeutsch gesungen. Text: Klaus Heuser)

Zivilisation bedeutet Kultur

Die politische Lage ist ernst. Wir bewegen uns global auf eine Konfrontation vor. Es scheint kaum noch möglich, eine dritte Lösung zu finden. Auf vielen Feldern hören wir nur noch Entweder – Oder.

Und dann droht an vielen Stellen Niedergang. Die Umwelt kollabiert, die KI übernimmt menschliche Arbeit, Kriege verschieben Grenzen und machen das Leben an bestimmten Orten unmöglich.

Wen interessieren an der Stelle noch groß die Kürzungen im Kulturbereich?

Die Lage ist ernst. Denn Kultur ist für uns Menschen nicht verhandelbar. Wir sind denkende und fühlende Wesen. Wir brauchen etwas, das über unsere reine Existenz hinausgeht, um am Leben zu bleiben. Wir verrohen ohne Kultur. Wir verlieren unsere menschliche Qualität.

Mag sein, dass Menschen in großer finanzieller Bedrängnis den Eindruck haben, Opernhäuser oder Museen seien nun wirklich nicht relevant. Vor allem wenn sie sich Opern und Gemälde nicht mal für Umme anhören oder anschauen würden.

Aber das greift zu kurz. Denn es geht nie nur um das einzelne „Produkt“, das wir persönlich für überflüssig halten. Kultur ist ein ganzer Kosmos. Und bislang einer der wenigen freien Räume, in denen Begegnungen überhaupt noch stattfinden können. Für mich ist es ein trauriges Zeichen unserer Zeit, dass der gesellschaftliche Umgang mit Kultur nicht Thema des Wahlkampfs ist. Wir fokussieren zu sehr auf vorgegebene Stories, statt zu überlegen, was ist mir denn in meinem Leben wichtig?

Wer wenig Geld hat, und davon kann ich Lieder singen, braucht zum Beispiel öffentliche Bibliotheken, um überhaupt noch Zeitung – oder eben auch Fachliteratur zu lesen. Wer wenig Geld hat, freut sich über subventionierte Theater- oder Konzertkarten, wo – auch wenn auf einem schlechten Platz – ein toller Abend garantiert ist. Und die Begegnung mit Leuten, denen ich im Alltag vermutlich nie über den Weg laufe. Wer wenig Geld hat, nutzt Parks oder schöne Friedhöfe, um Pausen zu machen, oder am Wochenende mal einen ganzen Tag draußen zu sein. Wer keine Angst vor Kirchen hat, mag sich auch mal in eine setzen, einfach, um in einem riesengroßen Raum zu sein. Oder, oder, oder…

Wir dürfen uns nicht freiwillig auf atmen und arbeiten reduzieren. Wir sind Lebewesen, die zu mehr in der Lage sind. Das sollten wir nicht vergessen.

Wählen gehen!

Wir haben die Wahl, und wir sollten sie nutzen. Wer seine Stimme verfallen lässt, keine Ahnung. Mutlosigkeit wäre mir da kein Argument.

Mein eigener Kompass steht auf Hoffnung. Es gibt immer Wege mit einer völlig verkackten Welt umzugehen. Wir haben stets die Möglichkeit, uns für eine bessere Entscheidung stark zu machen. Ich sehe keinen Weltuntergang. Und selbst wenn es krass ist: Wer sind wir, nicht bis zur letzten Minute immer wieder den Kurs ändern zu können. Hoffnungsloser Optimismus? Vielleicht. Ich habe als Kind vermutlich zu oft Star Trek gesehen…

Was wollen wir? Eine solide Regierung, die sich nicht täglich selbst zerlegt, hat auch eine solide Stimme in der Welt. Deutschland, und damit meine ich ein europäisches Deutschland, hat etwas zu sagen. Und genug Ressourcen (Manpower), um noch so einiges im globalen Kontext zu reißen. Nicht für uns. Für alle. Deshalb, wer unentschieden ist: es sind noch ein paar Tage Zeit, eine wichtige Entscheidung zu treffen: Nur Mut!

Steve Schapiro in der Berliner Galerie CAMERA WORK

Seinen Namen kannte ich nicht, dafür fast alle seiner Fotos: Steve Schapiro, 1934 in New York geborener Fotograf, der zu der mittlerweile fast ausgestorbenen Spezies der Reportage-Fotograf*innen zählt, jenen Haudegen, die immer mittendrin waren und von dort ihre Bilder in die guten Stuben der Leserinnen und Leser brachten. „Rasende Reporter*innen“, mit mehreren Kameras um den Hals und schnellen Beinen, die entwickelte Filme sofort zur Post brachten, damit sie so schnell wie möglich die Redaktionen der jeweiligen Magazine erreichten.

Nachgeborene mögen sich wundern, wie diese Leute alles noch im Kopf hatten: Flugverbindungen, Buslinien, Hoteladressen, die kürzesten Wege durch alle möglichen Städte, wichtige Termine und Hintereingänge in besonders geschützte Gebäude. Namen wichtiger Politiker, Schauspieler*innen, Musiker*innen, Kontakte zu Filmstudios, Kolleg*innen, nicht zuletzt die Öffnungszeiten der örtlichen Poststationen. „Er war ein früher Vogel“, erinnert sich seine Witwe Maura Schmith, „und er war immer fröhlich. Er liebte seine Arbeit.“

Das sieht man sofort. Egal, ob Schapiro Stars fotografierte, leise durch Filmsets schlich, um während des Drehs aussagekräftige Fotos zu schießen (leise, leise…) oder arbeitende Menschen abzulichten, einfache Passanten mit ihrer ganzen individuellen Würde. Er war ein Meister des Moments, jenes magischen Augenblicks, in dem eine Person sich zeigt, sei es durch einen Blick, eine Geste, eine Bewegung. Das brauchte – auch wenn es paradox klingt – viel Zeit. Zeit, die heutige Fotograf*innen oft nicht haben, weil es nur noch minutenlange Fotoshootings gibt, während Schapiro schon mal sechs bis acht Stunden mit einem Star ganz alleine sein konnte. Mit David Bowie zum Beispiel, dessen Figur des „thin white duke“ Schapiro entscheidend mitprägte.

Menschen waren seine Leidenschaft. Aber privat fotografierte er so gut wie gar nicht. Es gibt nicht ein einziges Foto, das er von Maura gemacht hat, nur ein Sohn kam in den Genuss, vom Vater fotografiert zu werden, aber nur, weil er einen so hübschen Flirt mit einer Freundin hatte, dass Schapiro gleich eine Fotoserie daraus machte. Und sonst? Hat er je etwas anderes fotografiert als Menschen, Menschen, Menschen?

Ja. Ganz am Schluss, in Chicago. Wo er es liebte, aus dem Fenster seiner Wohnung heraus den Michigan-See zu fotografieren. Das Licht, die Spiegelungen, den Himmel, natürlich auch die Jogger und Hunde, die Leute in und auf dem Wasser. Aber ob wir die je zu sehen bekommen? Vielleicht. Denn Maura verwaltet mit einem der Söhne den Nachlass Schapiros. Gut 800.000 Negative. „Er fotografierte immer zu viel“, stöhnt sie lachend, „allein von den Seefotos gibt es mindestens 800.“

Unbedingt sehenswert ist die Auswahl seiner Foto-Highlights, die zur Zeit in Berlin gezeigt werden: Noch bis zum 29. März in der Galerie CAMERA WORK, Kantstr. 149.

Mein herzlicher Dank für die Bereitstellung des sensationellen Bowie-Fotos geht ebenfalls an die Galerie CAMERA WORK

Es gibt immer nur einen Moment

Meine Woche war mühsam. Eigentlich gab es viele schöne Termine. Aber Müdigkeit nagte an mir. Vielleicht die Kälte. Vermutlich (heute dämmerte mir diese Idee langsam) hatte ich mehr Stress, als ich mir zugestehen wollte.

Um alles aufzuholen (es ist ja schon Freitag), wollte ich dann erst mal so richtig loslegen.

Doch als ich am Mittag im Amtsgericht ankam, war die nette Frau an der Pforte richtig besorgt: Ich solle doch ganz langsam machen (ich fand meinen Personalausweis nicht auf Anhieb) und mal tief Luft holen, und auch der grimmige Wachschutz bot an, dass ich mich doch erst mal hinsetze, um anzukommen. Wie jetzt? Ich hatte eigentlich einen völlig harmlosen Termin. Allerdings ging es nochmal um meinem vor einem Jahr gestorbenen Vater, und plötzlich merkte ich, wie traurig ich war. Und wie viel Last mich drückte.

Als ich aus dem Amtsgericht wieder raus war, beschloss ich, heute soweit gar nichts mehr zu machen. Und staunte nicht schlecht über den enorm langen Bremsweg, den ich dafür brauchte. Mir scheint, dass diese Form des Gehetztseins, die ich heute Morgen erlebte, dadurch entsteht, dass ich im Kopf schneller bin, als ich in der Realität handeln kann. Dass ich da dann tatsächlich immer schon Dinge erledige, die erst später dran sind, und dass mich die schiere Endlosigkeit der alltäglichen Erledigungen einfach erdrückt.

Klar, wissen wir alle. Wusste ich auch. Habe ich aber noch nie wirklich so klar vor Augen gehabt. Jetzt sitze ich an meinem schönen neuen Tisch und genieße den Duft frischer Mimosen, die vor mir stehen. Ich werde gleich ganz in Ruhe das Bad putzen und dann das Abendessen vorbereiten. Keine großen Sprünge, keine Überholspur, um am Montag auf der Pole Position zu starten.

Das Foto habe ich am Montag aus der Bahn gemacht. Es fasziniert mich, wie unterschiedlich die Bilder sind, die man aus einem fahrenden Zug macht. Manche sind verwaschen und unscharf, aber manche wirken wie Standbilder. Ich mag das Licht. Und die stille Landschaft. Es wirkt für mich wie ein Moment, in dem ich ankommen kann.

Die Hand ins Feuer legen

Jahrelang habe ich mit größter Überzeugung davon gesprochen, garantiert nie irgendwo hin zu reisen, wo ich nicht hingehöre. Die Idee, fremde Länder zu besuchen, ist in meinem Abenteurerinnenherz groß, Alexander von Humboldt nicht umsonst mein Idol. Aber ich lebe im 21. Jahrhundert und ich habe verstanden, dass die Welt immer kleiner und immer bedrohter wird. Ich habe nix am Nord- oder Südpol zu suchen, ich gehöre nicht in den Dschungel und schon recht nicht in die Favelas wo auch immer. Aber –

Jetzt hat mich eine Sehnsucht gepackt, die so gar nicht mit diesem Selbstverständnis einhergeht. Ich möchte unbedingt die Sahara sehen. Lustigerweise habe ich vom Flugzeug aus schon einmal einen Blick darauf geworfen. Ich war hingerissen. Beließ es aber dabei.

Nun aber. Ein neues Buch hat damit zu tun, das ich gerade mit Begeisterung lese, von dem ich später hier noch berichten werde. Und nun will ich das sehen. Spüren, erleben. What for?

Ich weiß, dass plötzlich aufreißende Sehnsüchte genau so schnell wieder verschwinden können. Ich hoffe darauf. Denn nur etwas sehen zu wollen scheint mir zu wenig für eine so aufwändige Reise. Andererseits sind es ja manchmal völlig absurde Ideen, die einen im Leben auf eine entscheidende Bahn bringen. – Dennoch sträubt sich vieles in mir, Reisen nur zu machen, weil ich es kann.

Zum Glück habe ich noch Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Vielleicht ergibt sich einmal eine Reise, bei der ich etwas mit meiner Sehnsucht verbinden kann. Ein Auftrag, ein Mensch, den ich in der Gegend besuche, wer weiß? Bislang habe ich zumindest verstanden, dass ich vorsichtig sein muss, für was ich meine Hände ins Feuer halte…