Jeder Garten möchte ein Paradies sein

Kyros der Große lebte vor über 2500 Jahren. Er gilt heute als Gründer des persischen Reiches. Ihm verdanken wir den Paradiesgarten, nicht etwa der Bibel, die die Idee eines wunderschönen Gartens als himmlischer Ort auf Erden von den persischen Vorbildern des Kyros erst übernahm.

Der persische „Ur-Garten“ ist nach einem streng architektonischen Prinzip aufgebaut: Er muss umschlossen sein, Wasser enthalten und eine symmetrische Anordnung zeigen. Die maurischen Gärten in der spanischen Alhambra zeigen schön diese Grundstruktur, alles, was später als Garten angelegt wurde, geht auf diesen Ur-Garten zurück.

Mich berührt die Vorstellung, dass mein Glück, das ich in Gärten spüre, tausende von Jahren alt ist. Und dass Menschen auch in der Vergangenheit Trost und etwas wie ein „Mehr“ an Irdischem in Gärten gefunden haben. Entsprechend traurig war ich, als mir klar wurde, dass ich vermutlich nie einen eigenen Garten besitzen werde.

O.K., man soll nie nie sagen. Aber wenn mein Leben so in etwa weiter geht, wie ich es gerade führe, ist kein Garten in Sicht. Dennoch gibt es einen kleinen Ersatz: der Hinterhof in dem Haus, in dem ich wohne. Anfangs nur eine leere Fläche (der Hof ist zu klein für einen eigenen Hofbaum), stellten Nachbarinnen und Nachbarn gelegentlich etwas Grün raus, manchmal nur abgehalfterte Zimmerpflanzen, die sie nicht mehr haben wollten, hin und wieder jedoch auch ein paar blühende Mitbringsel aus dem Bau- oder Supermarkt.

Irgendwann habe ich angefangen, mich darum zu kümmern. Verwelktes auszutopfen, ein bisschen zu kehren, hier und da mal ein Blümchen einzusetzen. Allmählich traute ich mich, Blumen auf die Fensterbank zu stellen (eigentlich verboten), und dann fing der ganze Frust an, den man an der Backe hat, wenn man zwar Grün sehen will, aber das mit dem regelmäßigen Gießen noch nicht drauf hat. Natürlich war ich auf die vertrockneten Blumen sauer: Hätten sie nicht noch einen Tag warten können!? Oder wenigsten mal rufen …

Es gab einige Momente, in denen ich aufgeben wollte. Mittlerweile gibt es eine kleine grüne Insel, die, wenn ich sie nicht völlig vergesse, relativ stabil bleibt. Manchmal nur als struppige Ansammlung, manchmal auch arg gebeutelt von Läusen & Co. Aber soweit da. Jetzt braucht es alle paar Tage einen kleinen Schubs, etwas zu machen, nach den Läusen zu sehen, Verblühtes abschneiden, Schnecken jagen, etwas sähen oder einsetzen, ach, und natürlich (jeden Tag!) gießen.

„Jeder Garten möchte ein Paradies sein“, las ich neulich, und dachte an mein unordentliches Hofgrün. Und warum auch nicht? Unsere Hoffeste finden mittlerweile vor grüner Kulisse statt, Geburtstage werden draußen gefeiert, wer eine kleine Kaffee- oder Zigarettenpause einlegen will, kommt runter und sitzt im Halbschatten der Äste kleiner Bäume und Sträucher. Schauen wir mal. Denn mit der Idee vom Paradies wird mir dieses Hofgrün fast noch wertvoller. Gleich setze ich die Blaue Hilde ein und noch ein paar Tomatenpflanzen, die ich gestern mitgebracht habe. Einen ordentlichen Sommersalat sollte ich damit auf jeden Fall hinbekommen.

Wer katholisch ist,

hat jetzt einen Todesfall in der Familie.

Tja, der Onkel aus (Süd)Amerika. Nie gesehen, viel von gehört, ein verbindliches Vorbild, ein Sturkopf (wie es manchmal schien), ein Mann aus einer anderen Welt.

Bin ich traurig? Müsste ich es sein? Was bedeutet dieser Tod?

Eine komische Idee kam mir gleich nachdem ich die Nachricht erfahren hatte. Dass nämlich Franziskus aller Wahrscheinlichkeit jeden Tag für mich gebetet hat. Natürlich nicht für mich persönlich. Aber eben, für mich als aktuell lebenden Menschen auf dieser Welt. Wer macht das schon? Sich um die anderen kümmern. Auch, wenn es nur symbolisch ist.

Ein Mann als Oberhaupt einer Männerhierarchie, die meinen Glauben verwaltet. Was will ich damit überhaupt noch zu tun haben? Ist mein Glauben überhaupt noch lebendig? Muss er von anderen täglich wieder in eine neue uralte Form gebracht werden? Haben die Männer der Kirche nicht sowieso längst fatale Ab-Wege eingeschlagen?

Ich weiß es nicht, merke aber – indem ich mir diese Fragen stelle – dass ein Papst mit seinem Leben und Sterben in meine Welt eingreift. Als ungebetenes Fragezeichen, das sich zu den vielen anderen gesellt. Ein Papst sagt Dinge, die ich, wenn ich davon höre, mit dem abgleiche, was ich für ein gutes Leben halte. Denn von meinem Glauben einmal abgesehen, über den ich meist nicht viel sagen kann, hat meine christliche Erziehung mir einen halbwegs stabilen Wertekanon hinterlassen. Insofern zählt, was ein Papst tut. Oder wie er stirbt.

Dass sich jemand in dieser jahrtausendealten Position nicht in Rente begibt, rechne ich ihm hoch an. Es gibt sicher tausend Gründe, ein Amt ruhen zu lassen, „unser“ Papst hat diese Möglichkeit gewählt, aber mir erschien sie zu modern-vernünftig. Papst sein ist kein Job. Es gibt keine Kündigung. Das ist für mich eine Haltung – ein Vorbild auch in viel kleineren Dingen. Oder: am letzten Lebenstag noch unangenehme Gäste zu empfangen. Hut ab! Das war sicher kein Spaß. Überhaupt, Sterben selbst ist in meinem Leben fast ein alltägliches Thema geworden. Insofern spricht mit dieser Todesfall besonders an.

Ich war einmal für eine Woche in einem Frauenkloster. Jeden Morgen wurden alle Menschen, die an diesem Tag sterben würden, in die Fürbitten mit aufgenommen. Mich hat das ungeheuer berührt. Und erleichtert. Weil ich wusste, ich würde nicht alleine sterben. Deshalb bitte ich heute auch für Franziskus.

Die größten Enttäuschungen

im Leben sind möglicherweise die, die sich wiederholen.

Die beiden höchsten Feiertage im Jahr haben den Vorteil, gleich zwei, und damit dann eigentlich drei freie Tage zu bieten. Zeit, innezuhalten. Zeit auch – zumindest für ältere Menschen – zurückzublicken.

Wann war ich eigentlich besonders enttäuscht, habe ich mich gestern gefragt. Was waren die schmerzhaftesten Niederlagen, Trennungen, Sackgassen?

Trennungen fühlen sich für mich tatsächlich meist wie Niederlagen an. Auch, wenn klar ist, dass beide Seiten besser mit einem Abschied bedient sind, weil das voneinander Loskommen eine Befreiung ist. Keine Strafe, kein Versagen, kein Kummer für ewig. Mittlerweile bin ich sogar froh, manchmal ohne großes Drama gehen zu können. Weil ich die Welt mir eben nicht so machen kann, wie sie mir gefällt. Und ich akzeptieren kann, dass andere andere Wünsche oder Ziele haben.

Dennoch lag in einigen meiner Trennungen eine riesige Enttäuschung. Weil ich spürte, dass die Männer, die ich nun mal besonders liebte, sich von mir bedroht fühlten. Dass sie glaubten, ich wolle sie manipulieren. Sie von sich wegbringen. Sie unterwerfen.

Was für eine Ungeheuerlichkeit.

Ein Mann, den ich unterwerfe, wird ein Diener. Er ist dann kein Gegenüber mehr, sondern ein Pantoffelheld. Nichts gegen Männer in Pantoffeln (oder – hm, naja, geht so… – ich trage aber auch keine…), doch was ist langweiliger als eine Person, die so agiert, wie ich mir das wünsche.

Ich habe lange Gedankenkreise gedreht. Denn das Motiv ist geradezu klassisch, wie Prince es knapp und (ja, doch) vulgär auf den Punkt gebracht hat: Pussy control.

Das kann ich natürlich nicht einschätzen. Mir schwant, dass es viel mit der jeweiligen Mama zu tun hat. Und dass gerade Frauen, die reden wollen (dazu gehöre ich nun mal), die größeren Angstgegnerinnen sind.

Was mich so unglaublich traurig daran macht, ist die Ohnmacht, mit der ich vor diesen Vorwürfen stand. Wie sollte ich mich denn verteidigen? Wer sich von mir manipuliert oder kontrolliert fühlt, verwendet alles gegen mich. Es ist dieses entsetzliche „die Worte im Mund verdrehen“. Es gibt eine alte Geschichte, „Erec“, entstanden im 12. Jahrhundert. Sie erzählt von einer dieser traurigen Begegnungen. Wenn auch mit einem sehr späten Happy End. Liebe schlägt in Hass um. Vertrauen verwandelt sich in Misstrauen. In die Angst, von der Liebsten ausgelöscht zu werden.

Nein. Meine Trennungen waren keine großen Dramen mit Literaturpotential. Aber es waren Momente größter Verzweiflung. Ich konnte nur aufgeben und meiner Wege ziehen. Ich konnte einen geliebten Menschen nicht von meinem Wohlwollen, schon gar nicht von meiner Liebe überzeugen. So fühlt sich Scheitern an. Und das lässt sich nicht schön reden.

Keine Frage. Enttäuschungen gehören dazu. Ich habe ja auch immer wieder genau das Gegenteil erlebt, große Momente, in denen meine Gegenüber mich als Verbündete, als Freundin, als Geistesverwandte erkannt und geliebt haben. Dass man nicht erkannt wird, gehört vermutlich zu den ebenso großen Lebensmomenten dazu. Und macht ja vielleicht auch das eigene Bild erst aus: Weil ich eben nicht genau so bin, wie andere mich sehen.

Frei-Tag

Für Katholik*innen ist Karfreitag einer der höchsten Feiertage im Kirchenjahr. Früher waren damit vor allem bestimmte Regeln verbunden: Kirchgang, Fasten, Verzicht auf jegliche Vergnügungen, für Kinder viel Langeweile.

Wie kann so ein Tag aussehen, wenn man den Gram, dieses säuerlich verbrämte Darben einmal weglässt? Und den Karfreitag als einen langen freien Tag sieht, an dem die Zeit stillsteht, um sich zu erinnern, um die Gedanken zu ordnen und vor allem, um einfach gar nichts zu tun?

Kann ich die Option, es mir gut gehen zu lassen, die oft mit freien Tagen verbunden ist, einmal weg lassen? Kann ich Ruhe finden, Zeit, mein Leben, wie es gerade ist, anzuschauen? Oder einfach nur dazusitzen, den Vögeln zuhören.

Gerade ist es hier in Kreuzberg so still, wie zuletzt in der Corona-Zeit. Daran habe ich schon lange nicht mehr gedacht. Neulich fiel mir sogar auf, dass ich so vieles vergessen habe: Wie ich mich fühlte, was ich tat, worüber ich mit meinem Vater am Telefon gesprochen habe, ob ich Angst hatte. Alles ist mir im Laufe des wieder angesprungenen Alltags weitgehend verloren gegangen.

Der eigenen Einsamkeit nachspüren. Vielleicht ist auch das eine Möglichkeit für diesen besonderen Tag. Zu verstehen, dass das ein Teil des Menschseins ist. Und nicht selbstverschuldetes Elend. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ schreit selbst der Gottessohn in der neunten Stunde des Karfreitags. Das kann auch Trost sein. Dass wir dieses Gefühl der Einsamkeit auf dieser Erde teilen, alle miteinander.

Ich weiß nicht, wie das heute noch wird. Ich will versuchen, nichts zu leisten, nichts abzuarbeiten, zu erledigen, zu tun, niemanden sehen oder sprechen. Ganz so, als wäre ich allein auf der Welt. Mal sehen, wie das wird. Euch allen ein schönes Osterwochenende!

Wenn etwas gut ist

Gut ist mehr.

Der Versuch, einen Standard für Dinge zu entwickeln, führt zu Regeln. Die sind per se nicht schlecht. Denn sie erwachsen im besten Fall aus Erfahrungen. Oder aus einem Wunsch, etwas so und eben nicht anders zu gestalten.

Umgekehrt aber ist noch nichts gut, wenn es nach den Regeln der jeweiligen Kunst gemacht ist. Es ist dann vor allem erst einmal konform. Angepasst.

Schreiben für Kund*innen gehört zu einem immer neuen Versuchen, etwas in die Welt zu bringen. Bei einer Form der wissenschaftlichen oder zumindest unterrichtenden Arbeit geht es da vor allem um Verständlichkeit. Und um Freude.

Jajajajaja. Das ist für die schwermütige deutsche Seele natürlich eine Zumutung. Wissen und Freude. Teufelszeug!

Ich möchte diesen Zusammenhang hier gar nicht vertiefen. Ich frage mich jedoch häufig, was gut ist, und wie das Gute gegen Regeln zu verteidigen wäre. Dabei bin ich nicht grundsätzlich gegen Regeln. Es müsste nur klar sein, dass „richtig“ nicht automatisch „gut“ ist oder sogar „sehr gut“. Es gehört immer etwas Emotionales dazu, eine gewisse Tiefe, die nicht wirklich messbar ist, jedoch stets über das rein Faktische hinausgeht. Vielleicht ist hier auch die Diskussion um K.I. generierte Texte anzuschneiden. K.I. hat immer den Aufschlag, was Anregung angeht. Tiefe jedoch entsteht erst durch Reflexion oder durch durch Erfahrung. Und durch ein Bedürfnis, genau das und nichts anderes zu schreiben.

Gut hat ein größeres Gewicht als nur richtig. Es ist mehr als angenehm. Es spricht nicht nur mich an. Es ist wertvoll. Und es ist mutig, sich für die guten Dinge einzusetzen. Also: Dranbleiben!

Morphium

In der Palliativmedizin spielt dieses Opiat eine spezifische Rolle. Als stark wirkendes Schmerzmittel wird es eingesetzt, um Sterbenden ihre letzten Tage oder Stunden zu erleichtern. Linderung der Leiden, nicht Heilung ist die Aufgabe von Palliativmediziner*innen, das ist vermutlich auch der Grund, weshalb alle anderen Ärzt*innen ausgeschlossen werden, sobald ein Palliativteam übernimmt.

Ihre spezifischen Aufgaben liegen darin, Symptome, allen voran Schmerzen, Luftnot, Angst, Übelkeit und offene Wunden zu betreuen. Es geht nicht darum, das Leben zu verkürzen, aber alle lebensverlängernden Therapieversuche sollen verhindert werden. Palliativmediziner*innen sind dabei v.a. bei schweren chronischen Krankheiten eine Option, ein Mensch, der „natürlich“, d.h. aus Altersgründen, stirbt, bekommt in der Regel keine gesonderte Therapie.

In der Praxis scheint es, so zumindest meine Erfahrung mit sterbenden Eltern (und damit meine ich nicht nur die eigenen), eine gewisse Schieflage zu geben. Ich möchte hier ausdrücklich sehr vorsichtig formulieren, weil ich selbst keinerlei medizinische Ausbildung habe. Aber es scheint gelegentlich so zu sein, dass – vermutlich aus Zeitgründen – sehr schnell zu Schmerzmitteln gegriffen wird, ohne den oder die Sterbenden kennengelernt zu haben. Und es geht dabei nicht um Schmerzmittel im gängigen Sinn, sondern um Opiate, die zwar extrem leistungsstark sind, aber auch ebenso starke Nebenwirkungen haben können. Dazu zählen extreme Kopfschmerzen, Übelkeit und Atemnot, Verstopfung und „Denkstörungen“, Bewusstseinsstörungen wie Halluzinationen, Angst, Schüttelfrost.

Der springende Punkt: Wenn Sterbende sich nicht mehr artikulieren können, ist über ihr Schmerzempfinden nicht viel zu erfahren. Vor und nach der Gabe von Morphinen. Meiner Vorstellung nach bedarf es hier einer sehr genauen Beobachtung. Und hier kommen auch Angehörige ins Spiel, sofern sie mit der täglichen Pflege betraut oder vertraut sind.

Wenn also ein Palliativteam im ersten Aufschlag Morphine verschreibt, wenn damit jede bisherige Therapie durch den behandelnden Hausarzt und den Wundtherapeuten quasi in Frage gestellt wird, wenn es gar keine Anzeichen von Schmerz (und das natürlich unter Vorbehalt) gibt, dann steht plötzlich ein riesiges Fragezeichen im Raum. Zumal, wenn der Vorwurf der (mehr oder weniger großen) Unterversorgung fällt.

Ein Nachbar von mir ist von einem Palliativteam fast verklagt worden, weil er die Gabe von Morphium an seine sterbende Mutter untersagt hat. Eine Freundin erzählte von den Qualen ihrer Mutter, die von den Drogen Halluzinationen bekam. Eine andere Freundin sieht sich – und zwar während des Sterbeprozesses ihrer Mutter – mit dem Verdacht der Unterversorgung konfrontiert.

Was tun? Ich verstehe zu gut, dass es bei palliativen Maßnahmen um die Erleichterung des Sterbeprozesses geht. Was ich aber nicht verstehe, ist die (in diesen Einzelfällen beobachtete) sehr schnelle Verschreibung schwerster Drogen. Es ist natürlich völlig egal, Sterbende „süchtig“ zu machen. So weit kommen sie erst gar nicht. Es geht mir auch nicht um „böse“ Drogen. Sondern um die Vorstellung, das Sterben selbst zu narkotisieren.

Wir alle haben Angst vor dem Tod. Aber Sterbende auf „schmerzfrei“ zu stellen, reicht nicht, ihnen einen würdigen Tod zu gewährleisten. Ich denke, hier sind wir alle gefragt, genauer hinzuschauen. Und uns selbst um das Sterben unserer Nächsten verantwortungsvoll zu kümmern.

Überraschung!

Leider war ich an dem Nachmittag, an dem ich diese Täfelchen sah, schon so müde, dass ich mir weder die Entstehungszeit noch sonst irgendetwas dazu aufgeschrieben habe. Nur so viel erinnere ich: dass sie aus der prähistorischen Zeit stammen, also in jener frühen Ära, in der die verschiedenen Menschenstämme noch mehr wie Affen aussehen und dennoch erste Werkzeuge und erste Bildnisse schaffen. Diese Täfelchen, so nimmt man zumindest an, repräsentieren höhere Mächte oder auch höhere Wesen, manche haben Augen, aber allen gemein ist dieses abstrakte Muster, als wenn unsere Vorfahren einen sicheren Geschmack für Abstraktion hatten. Hatten sie ja vermutlich auch, die Welt um sie herum war realistisch genug. Eine jenseitige Macht war demnach durchaus als Abstraktion vorstellbar. Eine schöne Vorstellung. Und ein weiterer Beweis dafür, dass Zeit nicht nur die Entwicklung zu etwas hin ist. Vielmehr wiederholen sich Dinge im Laufe der Jahrtausende. Für mich eine sehr berührende und auch tröstliche Vorstellung.

Warum verreisen?

Die Frage stelle ich mir immer wieder, wenn ich unterwegs bin: Warum mache ich das? – Darauf habe ich wohlsortierte, vor allem „vernünftige“ Antworten. Aber es gibt in mir drin so eine quengelnde Stimme, die unterwegs ganz schön laut werden kann.

Es zeigt sich, dass ich mit viel Stress reise. Sobald ich bekanntes Terrain verlasse, bin ich angespannt. Verständlich, aber anstrengend. Meine vernünftige Stimme erklärt dann, dass kein Säbelzahntiger um die Ecke kommen kann, nein, auch nicht in dem fremden Land. Die Vernunft antwortet, ach, sag mir mal was Neues. Aber der Rest bleibt vorsorglich in Panik.

Ein anderer Stress kommt auf, wenn ich dann überlege, was ich als nächstes machen möchte. Ich will weitgehend „freihändig“ reisen, das heißt, ohne festes Programm. Meistens gibt es am Tag einen Punkt. Und dann: mal sehen. So sehr auch hier meine Vernunft darauf besteht, einfach, um mir eigene Eindrücke zu ermöglichen, so wenig lässt sich der Quengel beeindrucken. Es ist dann so, dass ich einen Faden spinne, an dem ich mich entlang hangele. Dieses Mal ist es gut gegangen. Ich habe eine Balance gefunden und so einiges gesehen.

Für ein Fazit ist es noch zu früh. Erst mal bin ich einfach froh, dass alles gut geklappt hat.