Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Eine geschenkte Stunde

Meistens bin ich unmutig, früher als nötig aufzuwachen und nicht mehr einschlafen zu können. Heute jedoch sitze ich vergnügt am Tisch. Vielleicht, weil ich heute seit langer Zeit wirklich wach wachgeworden bin und nicht gegen einen Widerstand aufstehen und alles starten muss. Und das, obwohl ich laut Uhrzeit eigentlich zu wenig geschlafen habe. Lassen wir […]

Warum sagt eigentlich keine*r was?

Als Texterin für Audioguides bin ich möglicherweise näher an der aktuellen Entwicklung als gelegentlich Museumsbesucher*innen. Denn ich höre mehr Produktionen, einfach aus beruflichem Interesse. Längst sind erste Guides mit synthetischen Stimmen auf dem Markt. Gerade auch im Podcast-Bereich gibt es solche Aufnahmen, in denen keine Menschen mehr sprechen. Mir ist klar, wir stolpern in diesen […]

Zeit finden

Im Hamsterrad unseres Lebens sind wir häufig erschöpft und enttäuscht: So viel wäre zu tun, aber so schnell ist die Zeit schon wieder um! Ein Tag hat 24 Stunden, und was morgens noch als machbar erscheint, ist an vielen Abenden sang und klanglos untergegangen, manchmal auch mit Radau ins Feld stundenlanger Möglichkeiten gestürzt. Kein Wunder, […]

Auf den Boden sinken

Eine Vorstellung, die mich beruhigen kann, ist die, auf den Boden des Meeres zu sinken, um dort unten, in Stille und Wasserströmung, einfach nur noch zu sein. Natürlich sind in dieser Fantasie einige Realitäten außer Kraft gesetzt. Denn ich kann am Meeresgrund prächtig weiter atmen. Das Wasser ist angenehm warm und es ist hell, oder […]

Heute

ist der Geburtstag meines Vaters. Als er noch lebte, war es ein schwieriger Tag für mich. Weil ich ihm unbedingt etwas schenken wollte, und er sich unbedingt nicht darüber freuen konnte. Wir waren an dem Punkt beide stur. Ich wollte mich partout nicht damit abfinden. Er wollte partout nicht beschenkt werden. Eine jener Patt-Situationen, die […]

Nachricht aus dem Zwischenreich

Wenn Menschen an Alzheimer erkrankt sind, wird ihre Identität für andere löchrig. Es gibt die gemeinsam verbrachte Zeit, aber die Erinnerungen verschieben sich so, dass sie auseinander driften. Sich gemeinsam an etwas zu erinnern wird immer schwieriger. Gestern hat mich aus heiterem Himmel meine Nenn-Tante angerufen. Sie ist die Tochter eines Freundes meines Vaters und […]

Longlist

Ich möchte den Herausgebern der Leseproben der Romane, die es dieses Jahr auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft haben (und die Jahre davor) herzlich danken, denn es ist ein ganz eigenes Spätsommervergnügen, in diese ausgewählten Bücher einmal kurz (d.h. für drei bis vier Seiten) reinzulesen. Ich bin weder ein Trüffelschwein noch eine Wahrsagerin. Ich […]

Sommerloch

Dieses Jahr mache ich endlich das, was ich schon 10 Jahre (mindestens) vorhatte: Eine Reha. Irgendwann zu Beginn des Jahres nahm meine Müdigkeit dermaßen Überhand, dass mir klar wurde: jetzt oder nie! Eine Woche habe ich schon hinter mir. Dazu noch vier Tage in Helsinki, die ich sehr genießen konnte, weil ich mich ratzfatz in […]

Svealena Kutschke: Gespensterfische

Ich bin hingerissen. Obwohl ich erst vier Kapitel gelesen habe. Und Achtung! Wer Angst vor der Psychiatrie hat und dem, was sich da so abspielt, sollte die Finger vom Buch lassen. Obgleich es eigentlich ums Leben an sich geht. Und in der Psychiatrie vielleicht nur die Bruchstellen im Vordergrund stehen. Denn Risse haben wir alle, […]

Schön, dass Sie anrufen.

Was? Wie? Nein, die Sendung (20stellige Sendungsnummer) wird heute nicht geliefert. Warum, können wir Ihnen nicht sagen. Ich werde eine Beschwerde verfassen. Haben Sie noch eine Frage?