Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Wen die Katze ins Auge fasst,

mag sich unbeobachtet wähnen, oder sich schämen, wie Derrida, der sich einst zu Hause nackt von einer seinen Katzen überrascht fühlte. Bin ich ein Tier, und sind wir uns deshalb ähnlich? Oder ist das, was da im Körbchen hockt, etwas so anderes, dass es mich nicht mal sieht? Derrida war unbehaglich bei diesen Alternativen. Vor […]

Verschwundene Orte

Zunächst bemerkt man sie nicht: Orte, die man fortan nicht mehr betritt, weil man aus ihnen herausgewachsen ist oder weil das Leben die Richtung wechselt. Die meisten verschwundenen Orte sind weder verschüttet, abgerissen oder untergegangen. Es gibt sie noch. Aber wir betreten sie nicht mehr. Natürlich kann ich an der Wohnungstür klingeln, die einmal meine […]

Beim Lesen Pilze sammeln,

oder vielleicht gleich mal nach Marbach am Neckar reisen, ins Literaturarchiv, wo gedruckte Buchstaben und Wörter noch so aufbewahrt werden, wie sie einst erdacht waren: auf Papier. Handschriften sind natürlich auch zu sehen, solche, die ein Lesen unmöglich machen und die Schrift zu dem, was sie uns meist nicht ist: pure Graphik. Ulrich Raulff, Direktor […]

Grau, Fortsetzung

Die Alte Nationalgalerie in Berlin besitzt drei Gemälde von Paul Cézanne, von denen zwei zur Zeit in der öffentlichen Sammlung zu sehen sind. Zwei Stillleben, ein frühes (aktuell links in der Ausstellung), das Cézanne als jungen Wilden zeigt (allein wie die Schatten dort ihr Eigenleben pflegen!), ein späteres (von Experten auf 1880/1890 datiert, das Cézanne […]

Wer hören will,

vielleicht sogar fühlen, wie diese Notation klingt, hat Gelegenheit dazu heute ab 20:00 in der Boxhagener Straße 16, Remise im 3. Hinterhof. Dort spielt Tomas Bächli aus Anlass des 300. Geburtstages von Carl Philipp Emanuel Bach folgende Sonaten: C.P.E. Bach: Sonate in e (H 287), in C (H 284), 6. Probesonate (H 75) Jean Barraqué: Sonate […]

Gründe zur Annahme, dasz Würmer etwas Intelligenz entfalten

Sich als bärtigen Affen in einer Zeitschrift karikiert zu sehen, gehörte zu den fast noch schmeichelhaften Sticheleien, die er im Alter über sich ergehen ließ. Charles Darwin hatte fast 15 Jahre gezögert, seine Evolutionstheorie zu veröffentlichen. Doch dann ertrug er mit – zumindest scheinbar – stoischer Gleichmut die Anfeindungen seiner Kollegen und der Öffentlichkeit. Schließlich […]

Happy Birthday, Mark Rothko!

Auf dem Zenit seiner Bekanntheit (und Beliebtheit) strahlten seine Bilder. Mark Rothko, in Lettland geboren (dort – in Dünaburg damals noch russisch – schon am 12. September 1903, nach dem julianischen Kalender), kam mit 10 Jahren nach Amerika. Das Studium an der Yale Universität brach er nach zwei Jahren ab, seine erste Einzelausstellung hatte er […]

Nachts, am Fluss

Manchmal gelange ich abends an einen Fluss. Es ist ein tropischer Fluss, der vor einem hohen Wald in der Dämmerung liegt. An einer einfachen Anlegestelle sind Boote vertäut. Boote ohne Ruder, in die man einsteigt und sich hinlegt. Wer es losmacht, habe ich noch nie gesehen. Ich bekomme einen kleinen Schubs und schon treibt das […]

Vom Hasen lernen,

heißt rasen lernen. Natürlich ist auf dem Bild ein Kaninchen zu sehen. Unter gewissen Umständen sind Kaninchen auch Hasen, s. Wikipedia etc., pp. Ihre Gabe des Rasens haben andere schon schöner gewürdigt. Zum Beispiel John Muir: „Kaninchen huschen von Dickicht zu Dickicht zwischen den Fliedersträuchern, und gelegentlich sieht man einen langohrigen Hasen anmutig über die […]