Nicht hier, nicht da

Wer in das Haus seiner Kindheit reist, ohne dass noch Familie dort wohnt, macht eine Erfahrung, die – vor allem kurz vor dem Einschlafen – eine merkwürdige Verschiebung nach sich zieht. Erinnerungen, alte Gewohnheiten mischen sich mit der Gegenwart, ein altes Ich wird plötzlich geweckt, es befreit sich aus dem Chor der Vergangenen Stimmen und macht sich lauter bemerkbar. Es ist wie früher, aber es ist heute. Zudem hat dieses Früher viele Lücken, Erinnerung ist weiß Gott nicht kohärent.

Und es ist auch nicht dieses nostalgische „weißt du noch?“. Es ist eher ein Anschlag, entweder als Verlust oder als mühsam abgeschüttelte Fessel. Aber es gibt auch echte Lichtblicke. Denn mehr noch als in Berlin entstehen hier in der Provinz Lösungen spontan. Man sieht sich, spricht, jemand kenn noch jemand anderen, und schon gibt es einen Plan. Wie ungeheuer erleichternd! Hier reichen drei Tage, wo ich in Berlin Wochen beschäftigt bin. Was für eine tolle Überraschung!

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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