Einfach?

Was ist schon einfach? Nun. Seit es Versuche gibt, eine deutsche Erwachsenensprache so zu vereinfachen, dass Menschen damit zurecht kommen, die Deutsch noch lernen wie auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen, liegt die Frage auch auf meinem Schreibtisch.

Die trostlose Erkenntnis: Die grundlegende Vorstellung besteht darin, die Texte so zu vereinfachen, dass sie ungefähr auf Erstklässler-Niveau sind. Die Idee: Wenn ich die Grammatik einer Textstruktur auf die Basics zurückfahre, wird es schon verständlich sein. Der Haken: Texte transportieren AUCH Inhalte. Es sind nicht bloß Strukturen.

Der andere Haken – den man vielleicht als „Luxus-Haken“ abtun könnte, der aber eine ebenso zentrale Rolle wie Inhalte spielt: Auf ein Struktur-Minimum heruntergefahrene Texte werden automatisch monoton. Als Hörtexte sind sie kaum mehr verständlich. Eine Stimme, die gleichförmige Sätze – l a n g s a m – artikuliert, wird leiernd und einschläfernd. Hässlich ist dafür gar kein Ausdruck.

„Einfach“ bedeutet in der Sprache nie schlicht, sondern relevant. Es geht nicht darum „Dummköpfen“ oder „Schlichten Gemütern“ etwas beizubiegen. Es geht darum, das zu sagen, was Wesentlich ist.

Und hier fallen fast alle Texte in „Einfacher Sprache“ durch. Sie sind durch die vermeintliche Vereinfachung inhaltlich häufig falsch. Oder noch unverständlicher als in „ausgeschriebener“ Erwachsenensprache. Sie sind fast immer eine Beleidigung für Augen und Ohren, was unverständlich ist, geht es doch darum, Menschen ans Lesen und Verstehen heranzuführen. Und es ist geradezu niederschmetternd, wenn wir uns überlegen, welches bizarre Menschenbild dahinter steht.

Um so schöner, wenn es auch mal einen schönen Text zu lesen oder zu hören gibt. Und die frohe Nachricht: Wir können an guten Beispielen lernen! Advent, Advent!

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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