Was tun?

Letzte Woche hat mich eine jüngere Kollegin gefragt, was ich denn über die aktuellen Rekrutierungsmaßnahmen der Bundeswehr denke. Und ob das nicht falsch sei, schon in Schulen zu gehen, um für den Soldat*innenberuf zu werben? Oder ob wir, beide ohne Kinder, uns überhaupt vorstellen könnten, wie das für Eltern sei?

Wir haben dann lange darüber gesprochen. Es ist ein heikles Thema. Weil wir geopolitisch in einem Hotspot leben: Mitten in Europa, wo ein bloßes Sich-Heraushalten aus kriegerischen Konflikten in Zukunft keine Option ist. Gleichzeitig hat Deutschland historisch gesehen, genug Elend in die Welt gebracht. Für mich, als Kind von Kriegskindern ist das nach wie vor kein leeres Gerede, sondern geerbte Verantwortung.

Sie drängte auf Antworten auf die Frage: Was können wir tun? Und mir fiel nichts ein, außer im Gespräch zu bleiben. Mit so vielen Menschen wie möglich. Dass wir drängende Probleme besprechen. Nicht nur im Familienkreis, nicht nur mit Freund*innen. Ich habe mich, wie hier viele wissen, auch einer Partei angeschlossen. Im Grunde auch, um mehr Möglichkeiten zu haben, schwierige Themen zu besprechen, Neuigkeiten schnell zu erfahren, wenn es geht, Anträge zu stellen, damit auf höheren Etagen bitte weiter diskutiert und nachgedacht wird. Nicht viel.

Und heute dachte ich: Vielleicht sehen wir uns nach wie vor immer zu sehr in der „Macher*innen-Rolle“. Was wir, jede/r einzelne von uns, tun kann. Vielleicht aber können wir nicht viel tun, aber wir können uns positionieren. Und zur Not „NEIN“ sagen, statt wie ein ratloser Haufen einfach zuzustimmen, wenn scheinbar unumgängliche Entscheidungen getroffen werden. Vielleicht ist sogar der 1. Advetssonntag eine Gelegenheit ins Gespräch zu kommen. Nicht, um zu streiten, sondern um schöne Momente nicht nur mit Rückzug ins Private zu bezahlen.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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