Warum sagt eigentlich keine*r was?

Als Texterin für Audioguides bin ich möglicherweise näher an der aktuellen Entwicklung als gelegentlich Museumsbesucher*innen. Denn ich höre mehr Produktionen, einfach aus beruflichem Interesse. Längst sind erste Guides mit synthetischen Stimmen auf dem Markt. Gerade auch im Podcast-Bereich gibt es solche Aufnahmen, in denen keine Menschen mehr sprechen. Mir ist klar, wir stolpern in diesen ersten Versuchen über Anfängergemurksel. Es wird bestimmt alles besser. Aber ich frage mich: Warum lassen wir uns das gefallen? Warum sagt keiner was? Die menschliche Stimme gehört zu den wundervollsten „Instrumenten“ unseres Daseins. Nichts und niemand kann eine menschliche Stimme ersetzen. Und was uns selbst in der völlig überfüllten und verspäteten U-Bahn noch Trost sein könnte – eine sanfte oder eckige oder irgendwie eigenwillige Stimme, die die nächste Station ansagt (oh, doch, ja, es geht weiter!), ist längst der Maschine überlassen. Und eben, es wir noch schlimmer kommen. Warum lassen wir uns das gefallen? Warum akzeptieren wir immer nur das dumme kapitalistische Gerede davon, dass gespart werden muss. Merken wir nicht, dass wir längst selbst aus allen Prozessen ausgespart werden? Es muss ja kein großer Protest sein. Nur die klare Ansage zum Beispiel, dass wir künstliche Stimmen nicht akzeptieren.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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