Heute

ist der Geburtstag meines Vaters. Als er noch lebte, war es ein schwieriger Tag für mich. Weil ich ihm unbedingt etwas schenken wollte, und er sich unbedingt nicht darüber freuen konnte. Wir waren an dem Punkt beide stur. Ich wollte mich partout nicht damit abfinden. Er wollte partout nicht beschenkt werden. Eine jener Patt-Situationen, die viel Schmerz verursachen. Ich hatte die Hoffnung, ihn mit einem richtigen Geschenk rühren zu können. Er fühlte sich vermutlich in die Ecke gedrängt. Normalerweise packte er das Geschenk tagelang nicht aus. Um es dann kommentarlos entweder in den Keller zu stellen oder – bei Kleidungsstücken – die Dinge zu tragen ohne weitere Worte.

Heute verstehe ich ihn besser. Aber was bedeutet das für mich? Wenn ich bemerke, dass mein Gegenüber nicht aus seiner Haut kann. Muss ich dann in meiner Haut bleiben, verzeihen und verzichten? Will sagen: Ich bin immer wieder froh, wenn ich bemerke, dass jemand mich nicht „ärgern“ oder absichtlich verletzen will. Ich kann das, wie im Fall meines Vaters, sogar meist gut nachvollziehen. Aber was ist dann mit meinem Wunsch, jemanden zu erfreuen? Oder habe ich einfach einen zu hohen Anspruch? Kann ich denken: „O.K., Geschenk gemacht, fertig.“? Und eben nicht hoffen, den anderen zu erlösen… – ?

Bohnen und Steine vom Meer hätten ihm übrigens Freude gemacht.

Filed under: Allgemein
Avatar von Unbekannt

von

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Hinterlasse einen Kommentar