Ich bin unordentlich. Das ist eine Familienangelegenheit: mütterlicher- und väterlicherseits gab es Messies, zum Glück nicht bis zur völligen Verrottung, aber doch chaotisch genug, um das Leben in den jeweiligen Häusern oder Wohnungen zu bestimmen. Meine Wohnung ist nicht nur begehbar, sie ist im umfassenden Wortsinn wohnlich. Aber wo immer freie Flächen sind, stapelt sich Zeug. Und das, obwohl ich mittlerweile einen Keller habe.
Klar. Es gibt die Ordentlichen und die Unordentlichen. Und die oft gezogene Parallele zwischen kreativ und unordentlich geht nur in Teilen auf. Dennoch dachte ich neulich: Auf Kunst zu schauen, bedarf einer gewissen Ordnungsliebe, oder zumindest eines Wunsches oder Bedürfnisses, Strukturen zu erkennen.
Unordnung ist für mich – zumindest bis zu einem gewissen Grad – Freiheit und Abenteuer. Ich möchte mich nicht einer wie auch immer gearteten Ordnungsinstanz unterordnen. Gleichzeitig macht aber auch Unordnung nur Sinn, wenn der Rahmen die Ordnung ist. Völlig vermüllt ist für mich einfach nicht mehr schön, keine Steigerung von Freiheit oder Abenteuer, sondern nur noch einschränkend.
Könnte ich meine Unordnung als „intuitive Ordnung“ verstehen? Nicht, um mich besser zu machen, als ich nun mal bin. Sondern weil reine Unordnung meine Situation nicht richtig trifft. Denn es gibt einen großen Ordnungssinn in mir. Wehe, wenn etwas an der falschen Stelle ist. Oder, und das bringt mich, wenn ich es bemerke, jedes Mal zum Lachen: Das Bild an der Wohnzimmerwand meiner Nachbarn: Es hängt schief! So schlimm, dass ich fast schon rübergegangen wäre…
Will sagen. Meine Ordnung ist nicht ordentlich, sondern intuitiv. Sie entspricht meinen persönlichen Vorstellungen und kann deshalb mit dem Ordnungssinn anderer kollidieren. Als Gast oder im Zusammensein mit anderen bemühe ich mich daher um einen ordentlichen Ordnungsstil. „Intuitive Ordnung“ – ja klar, da können jetzt alle mal laut lachen (ich höre meine Mutter…). Dennoch habe ich den Eindruck, das mir diese Bezeichnung hilft, Vorurteile gegen mich selbst aufzugeben…

wildgans 9. Juli 2025
Schonmal mutig, der allererste Satz!
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Stephanie Jaeckel 9. Juli 2025
Das lässt sich nicht schön-reden. Selbst mit dem Anlauf der „intuitiven“ Ordnung nicht…
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