Freund*innen

Geschmäht und geliebt, immer wieder als Ersatz (oder eben nicht) für Partner*innen beschworen, Lebensmenschen, Phantomschmerzen (bei Verlust), Geschenk und Fluch in einem.

Sie fallen einem meist zu, wer sie halten kann, wer nicht, steht auf anderen, meist noch ungeschriebenen Blättern. Ob es eine Begabung zur Freundschaft gibt, ist umstritten, jede und jeder kann jetzt und immer wieder entscheiden, wie wichtig ein Freund oder eine Freundin ist.

Manche gehen im Laufe des Lebens verloren, manche bleiben, das ist nicht unbedingt eine Frage des mehr oder weniger. Alle bringen andere Saiten zum Klingen, Ich mit Freund*innen ist ein paar mehr. Vielleicht.

Oft sind es Gemeinsamkeiten, die Freund*innen verbindet. Aber es gibt auch jene Freundschaften, die mich in eine andere Welt blicken lassen. Musiker*innen zum Beispiel, die mir Erfahrungen erlauben, die ich in meinem Leben so nie gemacht hätte.

Zunächst mag die Sache banal klingen. Denn es geht darum, Musiker*innen beim Üben zuzuhören. Nicht gerade ein Genuss, mag man denken, es ist ja eher repetitiv und immerzu unterbrochen. Dann wieder mit lautem Zählen oder mit unprätentiösem Mitsingen einer zweiten Stimme begleitet. Und das, je nachdem über Stunden. Ich habe mich zum Glück nie gestört gefühlt und fand es sogar großzügig, dass meine Freund*innen mich in Probesituationen nicht davon jagten. Ich haben dann meist gelesen oder mir vielleicht auch Notizen gemacht, ein paar Mal lag ich auch krank im Zimmer nebenan, intensive Erinnerungen, in denen sich die Musik mit den Fieberträumen mischte.

Musik ist immer Musik. Auch in der Probe. Wenn sie einsetzt, verändert sie den Moment. Man kann sich immer auch gestört fühlen und das Gefühl haben, aus dem eigenen Moment verscheucht zu werden. Meist natürlich, wenn man die Musik nicht mag oder sie für die Tageszeit einfach zu laut oder zu aufdringlich ist.

Gestern hatte ich nach langer Zeit noch einmal Gelegenheit, beim Proben dabei zu sein. Einfach, weil ich zu früh fürs Konzert war und netterweise bleiben konnte. Glasklar perlte eine Komposition von Eric Satie durch die frühabendliche Stille eines Berliner Hinterhofs. Und ich meine mit perlen hier gar nicht so sehr das Sprudelige, als vielmehr die Folge der Töne wie glänzende Perlen auf einer Schnur, die hier die Melodie oder halt Tonfolge war. Als Erfahrung vielleicht vergleichbar mit einem Sonnenuntergang, der sich am Horizont ereignet und mein augenblickliches Tun gleich um 100% und mehr bereichert.

Es geht nicht um Bewertungen. Eine solche Erfahrung macht eine Freundschaft nicht wichtiger als eine andere. Mir wurde einfach nur einmal mehr klar, wie sehr Freundschaften mein Leben bereichern. Und auch, weil ich, bevor ich mit diesem Eintrag begann, noch mal die beiden Vorherigen gelesen habe, sage ich Danke. An Tomas und auch an Gertrud, und alle Freunde und Freundinnen, die Zeit mit mir teilen.

Ach ja, dieses Foto habe ich von meiner Freundin Petra: Danke auch dafür!

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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