Wenn ich an Freiheit denke, denke ich zunächst an freie Zeit. Vermutlich geht es vielen so, ein Schritt weiter, bin ich nicht nur bei der Freizeit, sondern auch beim Nichtstun. Pfffff…
Freiheit ist natürlich mehr, und ein zweischneidiges Schwert. Denn es bedeutet keinesfalls freie Fahrt in alle Richtungen. Demokratien sind dem Grundwert persönlicher Freiheit verpflichtet. Das heißt, es gibt möglichst umfassenden Schutz einer privaten Sphäre, solange nicht Staat oder andere Menschen in Gefahr sind.
Als Kind habe ich mich unfrei gefühlt. Ich hatte keine Geschwister, bestimmt haben meine Eltern, nicht nur, was auf den Tisch kam, was ich anziehen durfte, welche Frisur ich hatte, wann ich zu Hause sein musste, sondern auch sonst so ziemlich jede Grenze meines Lebens. Kindheit war für mich ein endloser, eingezäunter Weg.
Mittlerweile würde ich sagen, dass es gar keine absolute Freiheit gibt. Weil niemand von uns alleine auf der Welt ist. Aber es gibt eigene und damit freie Entscheidungen. Sie sind wichtig, um überhaupt jemand zu werden. Für mich hat es sich als hilfreich erwiesen, andere Werte rund um die Freiheit zu gruppieren. Um meine Vorstellung von Freiheit genauer zu fokussieren. Dazu gehören Überschwänglichkeiten wie Humor, Großzügigkeit oder Optimismus. Auf der anderen Seite aber auch Einschränkungen wie Ehrlichkeit, Demut, Zuverlässigkeit und Respekt.
Das Gefühl der Unfreiheit aus meiner Kindheit plagt mich noch heute manchmal. Dann begehre ich auf, ohne zu bemerken, dass ich gar kein Kind mehr bin. Und es nicht um Gehorchen geht, sondern meist um eine gangbare Strategie. Hier habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass Unfreiheit auch im eigenen Kopf entsteht, und ich mich immer wieder in mich selbst verstricke und im Ergebnis unfrei fühle. Damit aber wurde mir auch klar, dass Freiheit nicht mein einziger Leitstern sein kann, obwohl meine Biografie bis heute vor allem geprägt ist von dem Wunsch, unabhängig zu sein. Welche Werte sind mir also noch wichtig? Ich bleibe dran, und hoffe, in den nächsten Tagen oder Wochen noch zuverlässige Lebenswegmarken zu finden.
Dieses schöne Stundenglas ist mit Schaum statt mit Sand gefüllt, um einmal nicht das unerbittliche Verrinnen der Zeit anzuzeigen, sondern die Möglichkeiten einer noch so kurzen Pause. So gesehen im Japan Haus in London.

piri 9. Juni 2025
„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“, hat der Philosoph Immanuel Kant einmal gesagt.
LikeLike
Stephanie Jaeckel 10. Juni 2025
Ja. Gestern beim Schreiben habe ich die ganze Zeit nach einem Begriff gesucht, der beschreibt, was einen noch eingrenzt, denn es sind nicht nur die, die mit uns leben. Es ist – pathetisch gesprochen – „das Gefängnis unserer Existenz“, wie ich heute in einem Artikel gelesen habe. Das trifft es ziemlich gut.
LikeLike
MH+ 9. Juni 2025
Freiheit, Toleranz, Lebensräume, Grenzen – das waren die großen Themen meiner Jugend! …und sind es so geblieben….
LikeLike
Stephanie Jaeckel 10. Juni 2025
Genau, das sind die Themen, die sich ja auch nicht ein für allemal „erledigen“ lassen. Nach Freiheit zu streben, Grenzen setzen und auch akzeptieren ist zum Beispiel auch das, was ich mir immer unter „lebenslangem Lernen“ vorstelle. Denn wir ändern uns, und natürlich auch unsere Lebensumstände.
LikeLike