Erste Hilfe

Auweia! Als mein Vater im Heim war, nee eigentlich sogar, als meine Mutter vor acht Jahren im Heim war, wurde mir klar, dass es mit meinen Fähigkeiten, verletzten oder kollabierten Menschen zu helfen, nicht mehr weit her war. Klar hatte ich einen Erste-Hilfe-Kurs beim Führerschein gemacht, das war es dann aber auch. Und wie sich gestern zeigte, hatte ich nicht mal mehr die Stabile Seitenlage parat, obwohl mir der Lehrer versicherte, mit meinem Ergebnis würde ich zumindest niemanden umbringen…

Niemand denkt gerne an den Worst Case. Dennoch gibt es Situationen, in denen schnelles Eingreifen lebenswichtig ist. Und je älter ich werde, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass auch ich vielleicht in eine heikle Situation komme. Ostern habe ich mir einen Erste-Hilfe-Kasten besorgt und mich zu einem Kurs angemeldet, der dann gestern – ganztags! – stattfand.

Da lag bei mir wirklich vieles im Argen. Denn obwohl ich viele Dinge intuitiv richtig gemacht hätte, fehlte mir der Mut, beherzt zuzugreifen. Was im Notfall jedoch entscheidend werden können. Außerdem gerate ich schnell in Panik. Sogar beim Üben gestern wurde ich nervös und fahrig. Allerdings – und das fiel mir zum Glück auch ein – weiß ich, dass ich im Ernstfall ruhig bleibe: Wenn es richtig ernst wird, fährt die Aufregung bei mir runter und ich kann mich konzentrieren.

Was ich sonst noch von dem Kurs mitnehme: Zum Beispiel mal checken, wo Defibrillatoren in meiner Umgebung sind, sollte mal jemand umkippen (Apotheken, öffentliche Gebäude, Shopping Center) oder dass ich bei einem Ausflug vorher notiere, wo ich ungefähr sein werde, falls die GPS-Ortung des Telefons ausfällt. Oder dass ich – als Alleinlebende – sofort aus der Wohnung renne und Alarm schlage, wenn ich einen allergischen Schock oder Atemnot oder was auch immer habe. Denn wenn Rettungsleute nicht in die Wohnung kommen, ist eventuell alles zu spät.

Am Ende war das ein überraschend guter Kurs. Wir konnten einiges ausprobieren und die Erfahrungen der anderen Teilnehmer*innen machten auch die Theorie sehr lebendig. Ich hatte einen Kurs für 58 Euro bei der Deutschen Erste Hilfe Gesellschaft gebucht. Aber es gibt natürlich auch andere Verbände, die diese Schulung anbieten. Was soll ich sagen: Hingehen! Es lohnt sich.

Das Foto zeigt unsere Beatmungspatienten beim Trocknen nach der Desinfektion…

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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