hat jetzt einen Todesfall in der Familie.
Tja, der Onkel aus (Süd)Amerika. Nie gesehen, viel von gehört, ein verbindliches Vorbild, ein Sturkopf (wie es manchmal schien), ein Mann aus einer anderen Welt.
Bin ich traurig? Müsste ich es sein? Was bedeutet dieser Tod?
Eine komische Idee kam mir gleich nachdem ich die Nachricht erfahren hatte. Dass nämlich Franziskus aller Wahrscheinlichkeit jeden Tag für mich gebetet hat. Natürlich nicht für mich persönlich. Aber eben, für mich als aktuell lebenden Menschen auf dieser Welt. Wer macht das schon? Sich um die anderen kümmern. Auch, wenn es nur symbolisch ist.
Ein Mann als Oberhaupt einer Männerhierarchie, die meinen Glauben verwaltet. Was will ich damit überhaupt noch zu tun haben? Ist mein Glauben überhaupt noch lebendig? Muss er von anderen täglich wieder in eine neue uralte Form gebracht werden? Haben die Männer der Kirche nicht sowieso längst fatale Ab-Wege eingeschlagen?
Ich weiß es nicht, merke aber – indem ich mir diese Fragen stelle – dass ein Papst mit seinem Leben und Sterben in meine Welt eingreift. Als ungebetenes Fragezeichen, das sich zu den vielen anderen gesellt. Ein Papst sagt Dinge, die ich, wenn ich davon höre, mit dem abgleiche, was ich für ein gutes Leben halte. Denn von meinem Glauben einmal abgesehen, über den ich meist nicht viel sagen kann, hat meine christliche Erziehung mir einen halbwegs stabilen Wertekanon hinterlassen. Insofern zählt, was ein Papst tut. Oder wie er stirbt.
Dass sich jemand in dieser jahrtausendealten Position nicht in Rente begibt, rechne ich ihm hoch an. Es gibt sicher tausend Gründe, ein Amt ruhen zu lassen, „unser“ Papst hat diese Möglichkeit gewählt, aber mir erschien sie zu modern-vernünftig. Papst sein ist kein Job. Es gibt keine Kündigung. Das ist für mich eine Haltung – ein Vorbild auch in viel kleineren Dingen. Oder: am letzten Lebenstag noch unangenehme Gäste zu empfangen. Hut ab! Das war sicher kein Spaß. Überhaupt, Sterben selbst ist in meinem Leben fast ein alltägliches Thema geworden. Insofern spricht mit dieser Todesfall besonders an.
Ich war einmal für eine Woche in einem Frauenkloster. Jeden Morgen wurden alle Menschen, die an diesem Tag sterben würden, in die Fürbitten mit aufgenommen. Mich hat das ungeheuer berührt. Und erleichtert. Weil ich wusste, ich würde nicht alleine sterben. Deshalb bitte ich heute auch für Franziskus.
