Die politische Lage ist ernst. Wir bewegen uns global auf eine Konfrontation vor. Es scheint kaum noch möglich, eine dritte Lösung zu finden. Auf vielen Feldern hören wir nur noch Entweder – Oder.
Und dann droht an vielen Stellen Niedergang. Die Umwelt kollabiert, die KI übernimmt menschliche Arbeit, Kriege verschieben Grenzen und machen das Leben an bestimmten Orten unmöglich.
Wen interessieren an der Stelle noch groß die Kürzungen im Kulturbereich?
Die Lage ist ernst. Denn Kultur ist für uns Menschen nicht verhandelbar. Wir sind denkende und fühlende Wesen. Wir brauchen etwas, das über unsere reine Existenz hinausgeht, um am Leben zu bleiben. Wir verrohen ohne Kultur. Wir verlieren unsere menschliche Qualität.
Mag sein, dass Menschen in großer finanzieller Bedrängnis den Eindruck haben, Opernhäuser oder Museen seien nun wirklich nicht relevant. Vor allem wenn sie sich Opern und Gemälde nicht mal für Umme anhören oder anschauen würden.
Aber das greift zu kurz. Denn es geht nie nur um das einzelne „Produkt“, das wir persönlich für überflüssig halten. Kultur ist ein ganzer Kosmos. Und bislang einer der wenigen freien Räume, in denen Begegnungen überhaupt noch stattfinden können. Für mich ist es ein trauriges Zeichen unserer Zeit, dass der gesellschaftliche Umgang mit Kultur nicht Thema des Wahlkampfs ist. Wir fokussieren zu sehr auf vorgegebene Stories, statt zu überlegen, was ist mir denn in meinem Leben wichtig?
Wer wenig Geld hat, und davon kann ich Lieder singen, braucht zum Beispiel öffentliche Bibliotheken, um überhaupt noch Zeitung – oder eben auch Fachliteratur zu lesen. Wer wenig Geld hat, freut sich über subventionierte Theater- oder Konzertkarten, wo – auch wenn auf einem schlechten Platz – ein toller Abend garantiert ist. Und die Begegnung mit Leuten, denen ich im Alltag vermutlich nie über den Weg laufe. Wer wenig Geld hat, nutzt Parks oder schöne Friedhöfe, um Pausen zu machen, oder am Wochenende mal einen ganzen Tag draußen zu sein. Wer keine Angst vor Kirchen hat, mag sich auch mal in eine setzen, einfach, um in einem riesengroßen Raum zu sein. Oder, oder, oder…
Wir dürfen uns nicht freiwillig auf atmen und arbeiten reduzieren. Wir sind Lebewesen, die zu mehr in der Lage sind. Das sollten wir nicht vergessen.

finbarsgift 21. Februar 2025
Schön gesagt … danke dafür 💐
Liebe Grüße vom Lu
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erandbrokans 21. Februar 2025
Ausgezeichnete Gedanken. Würde sie gerne auf Bluesky / Mastodon teilen. Natürlich unter deinem Namen, wenn du nichts dagegen hast.
Liebe Grüsse
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Stephanie Jaeckel 21. Februar 2025
Kannst Du sehr gerne machen – auch ohne meinen Namen. Es ist ja einfach wichtig, darüber nachzudenken.
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