Meine Woche war mühsam. Eigentlich gab es viele schöne Termine. Aber Müdigkeit nagte an mir. Vielleicht die Kälte. Vermutlich (heute dämmerte mir diese Idee langsam) hatte ich mehr Stress, als ich mir zugestehen wollte.
Um alles aufzuholen (es ist ja schon Freitag), wollte ich dann erst mal so richtig loslegen.
Doch als ich am Mittag im Amtsgericht ankam, war die nette Frau an der Pforte richtig besorgt: Ich solle doch ganz langsam machen (ich fand meinen Personalausweis nicht auf Anhieb) und mal tief Luft holen, und auch der grimmige Wachschutz bot an, dass ich mich doch erst mal hinsetze, um anzukommen. Wie jetzt? Ich hatte eigentlich einen völlig harmlosen Termin. Allerdings ging es nochmal um meinem vor einem Jahr gestorbenen Vater, und plötzlich merkte ich, wie traurig ich war. Und wie viel Last mich drückte.
Als ich aus dem Amtsgericht wieder raus war, beschloss ich, heute soweit gar nichts mehr zu machen. Und staunte nicht schlecht über den enorm langen Bremsweg, den ich dafür brauchte. Mir scheint, dass diese Form des Gehetztseins, die ich heute Morgen erlebte, dadurch entsteht, dass ich im Kopf schneller bin, als ich in der Realität handeln kann. Dass ich da dann tatsächlich immer schon Dinge erledige, die erst später dran sind, und dass mich die schiere Endlosigkeit der alltäglichen Erledigungen einfach erdrückt.
Klar, wissen wir alle. Wusste ich auch. Habe ich aber noch nie wirklich so klar vor Augen gehabt. Jetzt sitze ich an meinem schönen neuen Tisch und genieße den Duft frischer Mimosen, die vor mir stehen. Ich werde gleich ganz in Ruhe das Bad putzen und dann das Abendessen vorbereiten. Keine großen Sprünge, keine Überholspur, um am Montag auf der Pole Position zu starten.
Das Foto habe ich am Montag aus der Bahn gemacht. Es fasziniert mich, wie unterschiedlich die Bilder sind, die man aus einem fahrenden Zug macht. Manche sind verwaschen und unscharf, aber manche wirken wie Standbilder. Ich mag das Licht. Und die stille Landschaft. Es wirkt für mich wie ein Moment, in dem ich ankommen kann.

frauhemingistunterwegs 15. Februar 2025
Das Bild wirkt wie ein Stillleben, an dessen Lichtwirkung die Künstlerin lange gearbeitet hat. Das hast du sehr schön eingefangen. Gute Vorbereitung ist das Eine und im passenden Moment auf Zack sein das Andere. Kannst du, ist doch super!
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Stephanie Jaeckel 15. Februar 2025
Danke fürs Lob. Tatsächlich ist es vor allem der „richtige“ Moment. Und deshalb ist es für mich auch immer eher ein Geschenk, denn ein Können. Haha: Ich wollte mal wieder „Leistung“ schreiben, pfffff…
Aber eben, das Leben (und auch die Arbeit) besteht aus Momenten. So stimmt es ja auch.
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