Jenseits der Zeit

Wenn wir träumen, bleibt zwar unser Körper in der irdischen Zeit, die vergeht, aber in Gedanken überspringen wir diese Schranke in eine Sphäre der Zeitlosigkeit. Es ist bekannt, dass Menschen, die am Schlafen, und damit am Träumen gehindert werden, sterben. Vielleicht ist dies ein Hinweis darauf, dass wir auch in einer anderen, als der irdischen Realität leben. Vielleicht auch nicht. Aber wenn ich mir klar mache, dass Träume ohne Zeitablauf passieren, auch wenn wir sie als linear erinnern, wird mir viel ihrer Rätselhaftigkeit greifbarer.

Ich war ein paar Tage im Rheinland, wo ich geboren wurde. Und prompt meldeten sich – ich sage mal „große“ – oder zumindest eindrückliche Träume wieder. Sie schienen aus meiner Kindheit zu stammen und zeigten mir Dinge auf, die ich wach nicht erinnere. Natürlich überlege ich, ob sie mir etwas „sagen“ wollen. Klar ist, dass sie etwas zeigen. Und wie bei vielen Erkenntnissen liegt es an mir, sie zu deuten oder in mein Selbstverständnis einzubauen (oder sie als unbedeutend fallen zu lassen).

Mittlerweile, das heißt, je älter ich werde, desto klarer begreife ich die Zerbrechlichkeit von Selbstverständnissen. Kleine Veränderungen können das Selbstbild gehörig ins Wanken bringen. Ich weiß längst auch, dass weder Geld, Karriere, Beziehung, noch andere (vermeintliche) Sicherheiten an der Balance des Selbstbildes groß beteiligt sind (an der Basis oft ja, aber eben weniger fest, als man in guten Zeiten gerne meint). Ich will einmal genauer hinschauen, was meine Träume erzählen, um vielleicht noch einmal etwas anderes über mich zu erfahren. Was nicht einfach werden wird, weil ich meine Träume im Alltag fast alle mit dem Aufwachen vergesse. Weil hier, wie Freud meinte, möglicherweise Wünsche verborgen sind, die ich im wachen Zustand nicht mal ahne. Oder weil in den (zeitlosen) Träumen etwas über Welt und Wirklichkeit verhandelt wird, dass mein Verstandes-Wissen übersteigt.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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