Ein Lob auf die Langsamkeit

Das ist tatsächlich eine Überraschung. In der Langsamkeit habe ich eine Verbündete bei anstrengenden Aufgaben gefunden. Mein Credo lautete von jeher: Unangenehme Dinge möglichst schnell zu erledigen. In gewisser Weise ist da ja was dran. Vor allem, wenn es bedeutet, möglichst zügig damit anzufangen. Aber dann kam mir jedes Mal etwas in den Weg. Ohne dass ich es überhaupt bemerkt hätte. Ich war zu ehrgeizig. Ich wollte möglichst schnell Ergebnisse sehen und Fortschritte. Was dazu führte, dass ich bald schon gegen die Wand fuhr.

So wollte ich immer mal wieder eine neue Sprache lernen. Da sind vor allem die Anfänge deshalb schwierig, weil sie ja erst mal so einfach daherkommen. Nicht alle natürlich, aber ich wollte im Kreis der romanischen Sprachen bleiben, von denen ich Französisch studiert habe.

Ich musste lange Umwege machen. Erst mal habe ich mein Englisch aufgefrischt, dass seit Schulzeiten mehr oder weniger auf Eis lag. Dann kam Französisch dran. Und jetzt habe ich tatsächlich angefangen, Spanisch zu lernen. Das heißt, kein Kurs, kein Druck, ich mache das erst mal nur für mich. Im März werde ich kurz nach Madrid fahren, da möchte ich ein paar Sätze sprechen können, falls nötig.

Und siehe da: Langsamkeit ist der Schlüssel. Ich weiß noch, wie mir bei allen Sprachen immer so große Löcher vor Augen standen, weil ich nicht wusste, wie ich zum Beispiel Verbtabellen oder Vokabel lernen sollte. Das war angangs immer so abstrakt. Ich hatte ja keine Anhaltspunkte. Meist war die Aussprache auch noch nicht sicher. Ich humpelte durch Wortmaterial und bekam einfach keine Richtung rein. Als ich meine Englisch-Kenntnisse aufgefrischt habe, konnte ich immerhin schon Sätze bilden. Da half es mir, kleine Texte zu schreiben. Denn da stieß ich dauernd auf Dinge, die ich nicht ausdrücken konnte. Das war konkret. Das konnte ich mir merken.

Im Spanischen versuche ich gerade, Wörter oder Redewendungen mit dem Französischen abzugleichen. Weil das dann eben auch viel konkreter ist. Ich höre spanisches Radio, bislang allerdings ohne viel zu verstehen. Trotzdem scheint mir auch das ein wichtiger Teil zu sein, eine Sprache zu verstehen. Und wenn es erst einmal nur die Sprachmelodig (und das gewaltige Tempo) ist. Wie weit ich damit komme, weiß ich nicht. Vielleicht höre ich nach der Reise schon wieder auf. Was mich überrascht, und mir hoffentlich bleibt: Die Einsicht, dass ich mir in vielerlei Hinsicht mehr Langsamkeit gönnen kann.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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