Er war 1799 da,

und auch noch zu Fuß. Während ich den Teide auf Teneriffa nur vom Schlafzimmerfenster aus sehen konnte: Alexander von Humboldt. Natürlich. Wo war der eigentlich nicht. Und ebenso natürlich mit Anzug und Lederschuhen, die am warmen Boden des Vulkans fast wegbrannten, während der Rest im kalten Wind von gerade mal 2°C fast erfroren wäre. Dazu liderliche Bergführer, die, wie sich im Laufe des Aufstiegs herausstellten noch nie den Gipfel erreicht hatten, den Wein austranken und das Wasser verschütteten, so dass der Abstieg ein Höllentrip wurde. Was Alexander jedoch zu keinem Moment die Laune verdarb. Und vor allem nicht den scharfen Blick auf alles und jedes, was er zu sehen bekam.

Er beschreibt das Klima der Kanaren – wie schon Entdecker vor ihm – als paradiesisch und geeignet, sämtliche Formen von Unglück und Melancholie zu lindern. Das allerdings habe ich auch sofort gespürt. Aus dem Flugzeug gespuckt, war ich sofort in einem Glückszustand sondergleichen. Nach nur zwei Stunden klebten und juckten meine Augen nicht mehr und ich war ruhig und froh. Das ist übrigens so hinreißend bei Humboldt, dass er sich selbst bei seinen Beobachtungen mit einbezieht. Sich wohl fühlt oder auch nicht, und das mit einfließen lässt in eine Beschreibung die dichter ist, als vieles das ich kenne, gleichzeitig vergnüglich zu lesen. Humboldt ist als ganzer Mensch unterwegs und ein Komiker, wenn es um eigene Ungeschicklichkeiten geht, die er gutmütig zum Besten gibt.

Er wäre gerne auf der Rückreise noch einmal auf die Kanaren zurückgekehrt. Doch dazu kam es nicht. Und er beschreibt den Abschied von Teneriffa und dem mächtigen Teide mit einem Bedauern, das auch ich gespürt habe, auch wenn ich meine Woche fast nur krank im Bett verbracht hatte.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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