Wenn ich die letzten Wochen Revue passieren lasse, war die Frage „was machst du Weihnachten?“ nicht nur allgegenwärtig, sondern auch getränkt von der Angst vor dem Alleinsein. Vielleicht liegt es daran, dass ich mittlerweile zu den Alten gehöre. Früher waren es eher belustigte Fragen mit dem Kern: „Na, wie entkommst du dieses Jahr der langweiligen Familienfeier?“ Da war noch mehr Glitzern in den Augen, Abenteuerdrang.
Ich war gestern Abend allein zu Haus. Ausser dem Haus-Eichhörnchen versuchte mich keiner, mich zu stören, ich heiße ja auch nicht Kevin. Es war eine gewählte Situation. Ich bin im Urlaub vor zwei Wochen krank geworden, und stecke immer noch in der Genesung. Außerdem musste ich HeiligAbend arbeiten, ich war froh, als ich den Rechner zuklappen konnte. Um einfach nichts mehr zu tun.
Woher aber kommt dieses Angst? Weil wir denken, wir seien nicht liebenswert, wenn keine Einladung kommt? Wir seien „abgehängt“ von was auch immer? Die Essenz der Weihnachtsgeschichte ist für mich die Einsamkeit: Maria und Joseph sind unterwegs. Ausgerechnet da setzen die Wehen ein, die Geburt ereignet sich im Stall, dem improvisierten Obdach für die Nacht. Das Licht kommt in die Welt und keiner schaut hin.
Alleinsein und Einsamkeit sind eine Quintessenz menschlicher Existenz. Der Gottessohn trat genau so in die Welt ein. Warum diese große Angst? Warum kein Trost in der Vorstellung, sich selbst zu haben, zu leben, Ruhe – auch wenn sie nicht unbedingt gewählt ist – zu genießen?
Es bleibt eine Wackelpartie. Nicht jedes Alleinsein fühlt sich an wie ein weiter freier Raum. Die Wolken der Launen, der Befindlichkeiten trüben Tage und vor allem Nächte. Dennoch glaube ich daran, dass dem Alleinsein eine große Kraft innewohnt. Aller Einsamkeits-Panik zum Trotz. Vielleicht reicht es schon, weniger Angst davor zu haben. Um auch einmal die schöne Seite des Alleinseins zu genießen. Allen eine frohe Weihnacht, mit oder ohne Familie, Freunden, Geschenken. Das Licht ist in der Welt. Alleine das zählt.

warumichradfahre 26. Dezember 2024
Hm, interessante Interpretation der Weihnachtsgeschichte. Jesus hatte seine Eltern und, natürlich unverhofft, die Hirten, die zu ihm geschickt wurden. Ich glaube, die Weihnachtsgeschichte soll eher sagen: du bist nie allein. So wie du sagst: Hauptsache, das Licht ist in der Welt, und dieses Licht ist immer bei uns.
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Stephanie Jaeckel 26. Dezember 2024
Ja, und Ochs und Esel. Und die Schafe. Hm. Am Ende ist es wahrscheinlich egal, wie man die Konstellation dieser Geburt liest. Es ist ein besonderes Geschehen in einem zutiefst ärmlichen und abgelegenen Moment, und insofern eben weltlich-menschlich. Stille Nacht eben. Und in dem Punkt eben besonders.
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warumichradfahre 26. Dezember 2024
So ist es, Stephanie!
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