Die Hürde einbauen

Gefühlt ist es so, dass ich mir Zeit „freischaufeln“ muss, um etwas eigenes zu schreiben. Da ist ein Alltag auf der einen Seite, der voll gestellt ist mit Aufgaben. Und da ist eine Stimme in mir, die – mal mehr, mal weniger laut – lamentiert, sie möge jetzt aber bitte auch mal drankommen. Und die meist überhört bleibt. Das kennen bestimmt viele.

Aber.

Irgendetwas an der Vorstellung stimmt nicht, und zwar konkret an der Idee des „Freischaufelns“. Denn in Wahrheit ist es eigentlich nie die große freie Fläche des Schreibtischs. Oder der Blick ins Weite, die große Würfe nach sich ziehen. Wobei Zeit zu haben natürlich eine Bedingung für erste Schritte ist.

Es scheint mir viel eher so, dass es Störfaktoren geben muss. Damit ich ins Kippeln komme. Aus der Balance heraus kann ich zwar Ideen haben, Dinge ordnen. Laut vor mich hinreden. Horizonte betrachten. Aber da entsteht nichts Aufregendes.

Doch was ist gerade mal störend genug, um eine überraschende Idee auszubrüten? Ich meine mich daran zu erinnern, dass ich in einer Biografie von Glenn Gould gelesen habe, dass er beim Üben manchmal gleich mehrere Haushaltsgeräte oder auch das Radio angestellt hat, um gegen eine größere Geräusch-Kulisse (man könnte es wohl auch Krach nennen) anzuspielen.

So in etwa. Wobei ich nicht glaube, dass es einen Schalter gibt. Vielleicht doch eher nur die kleine Erkenntnis, dass ich nichts freiräumen muss, um anzufangen.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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