Selbstwahrnehmung

Im Grunde vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens eine Sache falsch oder zumindest nicht richtig gemacht habe. Als Resümee ist das ziemlich niederschmetternd. Klar: Die eigenen Gedanken klingen halt sehr vertraut, müssen, wie wir seit Freud wissen, aber nicht unbedingt mit der Wahrheit einher gehen.

Überall ertappe ich mich dabei, Dinge eigentlich anders anpacken zu wollen. Vor allem schneller. Denn immer schleife ich Unerledigtes mit mir rum. Aber ist das wirklich nur falsches Zeitmanagement?

Eine Sache ist mir tatsächlich verdächtig. Wenn nämlich alles darauf hinausläuft, dass ich was falsch – oder zuminstes zu spät – mache… – !?

Wie anders wäre die Ausgangslage, wenn ich denken könnte: „Vielleicht muss es so“. Ich wäre mit einem Schlag aus dieser Selbstbeschuldigung raus. Und bräuchte gar nicht mal einen anderen Schuldigen. Dinge wären, so wie sie nun mal sind, richtig. Weil ich nicht alles um mich herum wie eine fantastische Dompteurin – sogar im Schlaf – unter Kontrolle halte.

Die Terminarbeit, die ich als Freiberuflerin leiste, hat mir über die Jahrzehnte vermutlich den Blick auf eine „vernünftige“ Zeiteinteilung verstellt. Die zum Beispiel auch mit Strategien wie Abwarten, Passiviät oder dem Vorziehen anderer Aufgaben operiert.

Außerdem: „Schnell, schnell“ kann im Unbewussten auch zu einer Bockigkeit führen, mit der ich erst recht alles Mögliche vergesse, übersehe und also gar nicht mache. Bis es (fast) knallt: „Lebe schnell und gefährlich“ – ein billiger Ersatz für Fast-Rentner_innen. Im banalsten und damit schlimmsten Fall.

„Vielleicht muss es so.“ Ich erlaube mir diesen Satz ab heute. Wer weiß.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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