Wie heißt der überhaupt

Also ich das letzte Mal hier geschrieben habe, dass es auch Bücher gibt, die ich mag, obwohl mir die Erzählstimmen nicht so dringend sympathisch sind, wusste ich zwar, dass das stimmt, aber mir fiel kein Beispiel ein. Jetzt liegt aber gerade eins vor, bzw. neben mir, ein Buch das mir eine Freundin geschenkt hat, sie besaß kurz zwei davon, weil sie in einer schweizerischen Jury sitzt, wo das Buch gerade im Favoritenkreis gelandet ist: „Es sind nur wir“ von Martin Peichl. Das zweite ist jetzt meins.

Am Anfang hat mich eigentlich nur der Fuchs auf dem Cover interessiert. Da schaue ich doch mal rein, und ja der Fuchs, der sich als Füchsin entpuppte, kam auch gleich im ersten Satz zur Sprache. Schön, also mal weiter. Und dann hat es schon angefangen, mir zu gefallen, obwohl ich beim Lesen leicht fröstele, da schaue ich in ein Leben, das doch sehr aus den Fugen gerät. Sowas macht mir schnell Angst, denn ich halte mein eigenes Leben oft nur ganz knapp in den Fugen, da fürchte ich mich halt, wenn ich merke, wie dünn überall Wände und Dächer über Köpfen sind. Oder wie schnell sich Freundschaften verlieren können oder Liebe einfach nur zerbröselt.

Ich lese immer noch drin, obwohl der Erzähler – ich weiß wirklich nicht, wie er heißt, und ob ich unaufmersam war oder es tatsächlich noch nirgends stand – so komisch durchs Leben schlittert oder vielleicht schon in so einer Abwärtsspirale hängt, weil er vielleicht eine tödlich endende Krankheit in sich trägt oder irgendeine äußere Gefahr lauert, da spitzt sich was zu, pöbelnde Männer erst in der Straße, später mit Pferden bewaffnet im Wald, aber ganz klar ist mir nicht, ob das Träume sind oder Realität. Gut gefällt mir, dass es zwei Text-Kategorien gibt, einmal die Geschichte, wie sie so weiter erzählt wird, und dann immer wieder Einschübe mit allen Möglichen Ausgriffen auf Details, die in der Geschichte und also im Leben des Protagonisten so vorkommen.

Die Sprache gefällt mir, weil sie präzise ist, aber schlicht wie das geschilderte Alltagsleben, das, von den Schieflagen einmal abgesehen, die mir zusetzten, auch mein Leben sein könnte. Was ich da lese, kenne ich gut. Das mag ich. Das ist, wie eine Freund_in treffen. Schön einfach. Obwohl es natürlich gleichzeitig enorm vielschichtig und kompliziert ist. Ich stelle mir auch viele Fragen. Zum Beispiel, warum ich immer noch so viel so wichtig nehme. Weil in dem Buch so genau der unerschütterlich simple Alltag beschrieben ist, aus dem Leben nun mal gewebt sind. Und weil mir das doch auch so gefällt und ich das Andere, wonach ich mich oft sehne, schon beim Sehnen irgendwie zu groß finde.

Ich denke, ich werde das Buch bis zu Ende lesen. Mal sehen, ob ich es dann auch noch mag. Gerade bin ich nur froh, dass ich wieder zum Lesen komme. Ohne Bücher fühle ich mich doch manchmal sehr alleine.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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