(dazu der heutige Themenvorschlag von WordPress: Hast Du Dir jemals schon etwas gebrochen?…)
Heute habe ich auf zeit online einen tollen Artikel eines noch jungen Autors gelesen, mit dem Titel: „Ich, Mann, abgestumpft“ über emotionale Taubheit (Zeit Campus). Mir geht es nicht um Klischees. Schon gar nicht um Schuldzuweisungen. Aber ich leide bis heute immer wieder an dieser männlichen Eiseskälte.
Ich empfinde diese Taubheit mittlerweile als eine so schlimme Verkrüppelung, mit der wir Jahre unseres Lebens verdunkeln. Ich denke da nur an die Taubheit meines Vaters. Wie anders hätte seine Ehe verlaufen können.
Das Spannende beim Lesen war allerdings, dass ich diese Mechanismen und auch diese Nicht-Gefühle nur zu gut kenne: Bloß keinen Schmerz zeigen! Bloß nichts anmerken lassen! Lächeln! Ich bin selbst zu so einem Kühl-Klotz geworden. Ich freue mich über die Erfolge anderer und muss mir gute Dinge, die mir widerfahren laut vorsagen, damit ich sie überhaupt mitkriege. Gefühle gibt es eher keine.
Wie geht es Euch damit? Habt Ihr Tipps? Ansonsten unbedingt Frohe Pfingsten! Was für ein schönes Fest.

Grinsekatz 19. Mai 2024
Selbst tauge ich in diesen Dingen nicht zum Ratgeber, liebe Stephanie. Warum sind Männer so, können Männer so sein? Angst ist eine Antwort, zumindest bei mir. Die Furcht vor wahrhaftiger Auseinandersetzung, die Angst, den anderen zu verletzen, selbst an alten Narben berührt zu werden. Ein übermächtiges Ego kann auch Offenheit verhindern, ebenso eine gewisse Überdrüssigkeit – es ändert ja eh nichts, oder so.
Manche werden alt damit, sterben in dieser Kälte. Wann hat es eigentlich angefangen und warum gab es keinen anderen Weg als gegenseitige Verletzungen und schlussendlich Schweigen? Die Wurzeln haben meist nichts mit der Gegenwart zu tun, auch nicht immer mit dem derzeitigen Gegenüber.
Was hält mich aufrecht? Auf der einen Seite steht die bittere Erkenntnis, dass auch mir Grenzen gesetzt sind, mit denen ich möglicherweise einst gehen muss. Dass ich meinen eigenen Idealen nicht gerecht werden kann – aber dafür sind es ja auch Ideale, die nur Orientierung bieten und keinen Perfektionsanspruch in sich tragen. Was trägt also – es ist die Ungewissheit, was in diesem Leben noch gehen mag, in wieweit ich Grenzen verschieben kann, unter welchen Umständen auch immer.
Es ist noch Zeit – nicht mehr wirklich viel, aber immerhin.
Danke und auch Dir frohe Pfingsten – Gruß Reiner
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Stephanie Jaeckel 26. Mai 2024
Ja. Angst. Warum reden wir darüber so selten? Weil sie so wenig greifbar ist wie Nebel? Weil wir nicht schwach erscheinen wollen? Weil wir lieber dem Glück hinterherjagen, statt Gespenstern? Den eigenen Garten pflegen rät Voltaire. Was vor allem bedeutet, die eigenen Grenzen zu begreifen. Und dann eben trotzdem jeden Tag was zu tun. Vielleicht so – ?
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Grinsekatz 26. Mai 2024
Wo die Angst ist, ist der Weg – so heißt es in der Selbsthilfe. Meine Definition von Mut ist, mit Angst das richtige zu tun. In solchen Momenten binde ich mich eng an meinen Schöpfer und bitte um das nötige.
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derdilettant 19. Mai 2024
Frage dazu: zu einem „Kühlklotz“ geworden, oder immer schon gewesen? Das macht doch den entscheidenden Unterschied hinsichtlich Ursachenerforschung. Wir leben ja alle mit einem unveränderlichen Kern, Charakter oder was auch immer. Jenseits davon spielt die Musik, beginnen wir zu klingen. Resoniere ich nicht, hole ich mir Anleitung, probiere aus, etc. Ohne dem wirds wohl nicht gehen. Offen, mutig, sich wichtig nehmen, zeigen, ohne Skrupel, ins derzeit herrliche Grün eintauchen. Frohe Pfingsten!
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Stephanie Jaeckel 26. Mai 2024
Ich denke, dass dieses emotionale Erkalten bei den meisten Menschen ein Prozess ist. Das Schwierige hier, wie bei vielen – ich sag‘ jetzt mal „Einschränkungen“ – ist eher, dass man sie gar nicht mitbekommt. Es passiert so schleichend, und die emotionale Kühle ist ja oft auch unter dem Vorzeichen der „Vernunft“ oder „Rationalität“ unterwegs. Also schwer zu greifen. Aber ja, und wie immer: Muss man ausprobieren. Immer wieder. Herzliche Grüße
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Verwandlerin 19. Mai 2024
Wow. Also bei mir ist ja eher zu viel Feuer, zu wenig Emotionskontrolle das Problem und bei meinen Eltern auch. Deswegen habe ich da keine Tipps. Außer vllt dem inneren Kind zuwenden, meines ist wütend und ich besänftige es mit Liebe. Vllt kannst du deines durch Liebe „auftauen“? Ganz liebe Grüße
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